bAV: Abschied von der Beitragsgarantie – aber wie?

Detlef Pohl Berater Top News

In der privaten Altersvorsorge verabschieden sich die Lebensversicherer zunehmend von der vollständigen Beitragsgarantie, um eine renditestärkere Kapitalanlage betreiben zu können. Bei bAV-Beitragszusagen und der Riester-Rente ist das noch nicht erlaubt.

Die Politik muss mehr Flexibilität und niedrigere Garantien erlauben“, sagt André Geilenkothen, Mitglied der Aon-Geschäftsleitung. Bild: Aon

Die Politik muss mehr Flexibilität und niedrigere Garantien erlauben“, sagt André Geilenkothen, Mitglied der Aon-Geschäftsleitung. Bild: Aon

In der privaten Altersvorsorge hatte vor einiger Zeit die Allianz das Garantieniveau auf 60, 80 oder 90 Prozent heruntergeschraubt. Wegen der Niedrigzinsen plant das zuständige Bundesministerium der Finanzen nun, ab 2022 für die Lebensversicherung und Pensionsfonds den Höchstrechnungszins im Neugeschäft von 0,9 Prozent auf 0,25 Prozent zu senken.

Damit würde auch der Druck in der betrieblichen Altersversorgung (bAV) auf die Garantien wachsen, denn in der weit verbreiteten Beitragszusage mit Mindestleistung (BZML) wie auch bei der Riester-Rente sind weiterhin 100 Prozent Garantie vorgeschrieben. „Von diesem gesetzlich vorgeschriebenen Beitragserhalt ist ab 2022 abzurücken“, fordert Guido Bader, Vorstandschef der Deutschen Aktuarvereinigung. „Der vollständige Beitragserhalt mündet sonst in einen Realwertverlust und würde damit das Aus von BZML und Riester-Rente bedeuten“, so Bader.

Doch wie könnte der Abschied von der 100-Prozent-Beitragsgarantie aussehen? Experten des Beraters Aon erwarten dazu eine weitere politische Flankierung. „Die Politik muss mehr Flexibilität und niedrigere Garantien erlauben“, sagt André Geilenkothen, Partner und Mitglied der Aon-Geschäftsleitung.

Garantien reduzieren oder auf Endfälligkeit beschränken

Man könnte zum Beispiel statt der bisherigen jährlichen Garantien stärker auf Garantien zur Endfälligkeit bzw. auf reduzierte Garantien abstellen, schlägt Geilenkothen vor. „Das würde Versicherern, Pensionskassen und Pensionsfonds die Flexibilität geben, renditestärkere Anlageformen zu wählen”, so der Experte. Andernfalls würden die Einrichtungen der bAV auf breiter Front bestenfalls zu Festgeldverwaltern, die für die Versicherten keine nennenswerte Rendite mehr erwirtschaften können.

„Ohne politische Flankierung werde sich die durchaus zu begrüßende Senkung des Höchstrechnungszinses lähmend auf weite Teile der Altersvorsorge auswirken“, prognostiziert Thorsten Teichmann, Partner und Mitglied der Geschäftsleitung bei Aon. Dabei sei man sich bei Aon bewusst, dass der Abschied von den klassischen Garantien auch ein Umdenken in der Bevölkerung erfordert. „Aus unseren Studien wissen wir, dass der größte Teil der Arbeitnehmer eher Garantien als die Rentenhöhe im Auge hat“, erinnert Geilenkothen. Fast allen sei aber nicht bewusst, zu welchen Einschnitten das am Ende führt.

Seite 1: Warum 100-Prozent-Garantie in der bAV nicht mehr geht
Seite 2: Wie Garantien im Neugeschäft angepasst werden könnten