Altersvorsorge: „Wir müssen ein ganzes Stück weiterkommen in der nächsten Legislaturperiode“

Martin Thaler Versicherungen Top News Berater

Ein unter Druck geratenes Rentensystem und ein Reformstau bei der privaten Altersvorsorge: Es gibt viel zu tun in der Rentenpolitik. Wohin die Reise gehen könnte, skizzierten Fachpolitiker von CDU und Bündnis 90/ Die Grünen auf der DAV-Jahrestagung. Gemeinsame Schnittmengen scheinen dabei durchaus vorhanden.

Peter Weiß und Markus Kurth Bild: Claudia Thoma/ markus-kurth.de

Diskutierten auf der Jahrestagung der DAV über die Zukunft der gesetzlichen Rente sowie der betrieblichen und privaten Altersvorsorge: CDU-Rentenexperte Peter Weiß (links) und der rentenpolitische Sprecher der Grünen Markus Kurth. Bild: Claudia Thoma/ markus-kurth.de

„Der eine vertritt die Regierungsseite, der andere Opposition – nur merken tut man es nicht“. Professor Dr. Bernd Raffelhüschen, der bei der Jahrestagung der Deutschen Aktuarsvereinigung (DAV) und der Deutschen Gesellschaft für Versicherungs- und Finanzmathematik (DGVFM) eine Keynote zur Zukunft der Altersvorsorge in Deutschland hielt, fiel es am Mittwoch schwer, Unterschiede zwischen den vertretenen Fachpolitikern von CDU und Grünen festzumachen. Die gab es zwar durchaus – viele Aussagen von Markus Kurth (Grüne) und Peter Weiß (CDU) ließen bei der Frage, wie das Altersvorsorgesystem zukünftig gestärkt werden könnte, jedoch tatsächlich eine gewisse Schnittmenge erkennen.  

Beispiel betriebliche Altersversorgung (bAV). Hier müsse man „ein ganzes Stück weiterkommen in der kommenden Legislaturperiode“, forderte Grünen-Rentenexperte Kurth. Widerspruch von seinem Kollegen aus der Union erntete er dafür nicht. Zwar zeigte sich Weiß zufrieden, mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz einen ersten Schritt in Richtung der Förderung von Geringverdienern unternommen zu haben. „Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass wir mehr hinbekommen.“  

"Das muss neue Regierung engagierter in Angriff nehmen"

Noch immer ist die bAV insbesondere in kleineren Betrieben und in Branchen, in denen vorwiegend Geringverdiener beschäftigt sind, kaum verbreitet. Das muss sich nach Ansicht von Weiß und Kurth dringend ändern. „Eine betriebliche Altersversorgung und/oder eine private Vorsorge müssen für jeden möglich sein“, plädierte Weiß, „das muss die neue Regierung engagierter in Angriff nehmen“.  

Ideen hierfür gibt es von beiden Politikern einige: So könne er sich vorstellen, die Geringverdienerförderung für Arbeitgeber verpflichtend zu gestalten, erklärte Weiß. Auch eine zusätzliche steuerliche Förderung für Arbeitgeber sei im Bereich des Vorstellbaren. Grundsätzlich fallen die Vorschläge von Weiß zur Stärkung der bAV jedoch homöopathisch aus – am bestehenden System soll nicht allzu viel gerüttelt werden.  

Die Forderungen von Kurth gingen da einen Schritt weiter. Neben der Einführung eines Angebot-Obligatoriums sprach sich der rentenpolitische Sprecher der Grünen auch für eine Verbesserung der Portabilität von Betriebsrenten aus. „In kleineren Unternehmen wird der Arbeitgeber im Schnitt alle fünf Jahre gewechselt“, so Kurth. Müsse dann stets erneut eine Direktversicherung beim neuen Arbeitgeber abgeschlossen werden, würden die jedes Mal aufs neue anfallenden Abschlusskosten die betriebliche Altersversorgung für die Arbeitnehmer unattraktiv machen. Kurth sprach sich darum für die Einführung eines neuen Vehikels für die bAV aus, das die Mitnahme der Betriebsrente zum neuen Arbeitgeber erleichtere. Eine Möglichkeit stelle laut Kurth ein öffentlich-rechtlicher Bürgerfonds dar.  

Seite 1: Reformdruck in der bAV
Seite 2: Gesprächsbereitschaft bei Garantien