Versicherungskäse: Es gibt einen „Gewinner“

Martin Thaler Versicherungen Panorama Top News

Es steht fest: Von den drei nominierten Versicherern hat der Bund der Versicherten einen „Sieger“ erkoren, der den ungeliebten Schmähpreis für sich verbuchen darf. Mit der Entscheidung trifft der BdV den Zahn der Zeit.

BdV verleiht Versicherungskäse Bild: Adobe Stock/tunedin

Der Versicherungskäse des Jahres ist für die Empfänger in der Regel wenig bekömmlich. Bild: Adobe Stock/tunedin

Eine alte Bauernregel besagt: „Käse ist morgens Gold, mittags Silber, abends Blei.“ Doch obwohl der Bund der Versicherten (BdV) den Gewinner seines berühmt-berüchtigten Negativpreis, den Versicherungskäse des Jahres, zumeist in den Mittagsstunden verleiht, dürfte dieses Molkereiprodukt dem „Sieger“ eher bleiern im Magen liegen.  

Und das ist in diesem Jahr die Targo Lebensversicherung, die den Schmähpreis für ihre Kreditlebensversicherung zuerkannt bekam. Ein würdiger Gewinner aus Sicht der Verbraucherschützer: „Das Produkt hat den Käse mehr als verdient“, meint Laudatorin Kerstin Becker-Eiselen und schiebt die Begründung gleich hinterher: „Keine Transparenz, kein Durchblick für die Verbraucherinnen und Verbraucher und Kosten, Kosten, Kosten – das ist wirklich Käse-reif!“  

Zu hohe Kosten

Bei der Kreditlebensversicherung können sich Verbraucher gegen den Ausfall von Kreditzahlungen versichern, beispielsweise weil sie erkrankt sind oder ihre Arbeitsstelle verloren haben – in diesen Fällen greift die Versicherung und übernimmt die weiteren Raten. Mit anderen Worten: Bei der Kreditlebensversicherung handelt es sich um eine Restschuldversicherung.  

Und wie bei vielen dieser Policen sind die hohen Abschlusskosten einer der Hauptkritikpunkte: Bei der Targo Lebensversicherung fallen aus Sicht des BdV nicht nur die zu zahlenden Versicherungsprämien deutlich zu hoch aus. Zudem bemängeln die Verbraucherschützer, dass die Prämie für die Kreditlebensversicherung auf die Kreditsumme aufgeschlagen werde. Somit würden die Kreditzinsen nicht nur für die eigentliche Darlehenssumme, sondern auch für die Versicherungsprämie bezahlt.  

Die Restschuldversicherung der Targo dürfte nicht die einzige Versicherung ihrer Art sein, deren Kosten Anlass zur Kritik bieten. So hatte die Bafin im vergangenen Jahr in einer Studie festgestellt, „dass die von den Versicherungsunternehmen an die Kreditinstitute geleisteten Provisionen teilweise außerordentlich hoch sind. Die festgestellten Provisionshöhen sind vor diesem Hintergrund ein lukrativer Anreiz für Kreditinstitute, möglichst viele Restschuldversicherungen mit einer möglichst hohen Prämie zu verkaufen.“

Die Politik sah sich folglich zum Handeln gezwungen und beschloss in diesem Frühjahr die Einführung eines Provisionsdeckels. Recht so, scheint der BdV mit seiner Käse-Entscheidung sagen zu wollen und verdeutlicht hiermit noch einmal den Handlungsbedarf.  

So reagiert die Targo

Auch bei der Targo Lebensversicherung ist man überzeugt, die Auszeichnung zum Teil stellvertretend für alle Anbieter von Kreditlebensversicherungen erhalten zu haben, wie eine Sprecherin auf procontra-Nachfrage erklärte. Kritikpunkt seien hier die hohen Provisionen für Vermittler, nicht aber das Produkt als solches.

Auch wenn sich bei der Targo die Freude "in Grenzen halte", wolle man die Kritik ernstnehmen und darüber nachdenken, wie sich das Unternehmen im Bereich der Kreditlebensversicherung verbessern könne. Ob man hierfür auch das Gespräch mit dem BdV suchen werde, erklärte die Sprecherin nicht. Bereits in der Vergangenheit hatten ausgezeichnete Unternehmen einen Dialog mit den Verbraucherschützern begonnen – bei der Ideal Versicherung wurde dann später aus der kritisierten Krebsversicherung eine Dread-Disease-Police. Inwiefern die BdV-Kritik hierzu aber beigetragen hat, ist nicht bekannt.

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