Vermögensverwaltung: Roboter auf dem Rückzug

Stefan Terliesner Digital Investmentfonds

Angetreten, um menschliche Berater zu ersetzen, erleben Robo-Advisor ein Fiasko auf dem deutschen Markt. Der tiefere Grund liegt im deutschen Steuerrecht.

Robo-Advisor traten an, um menschliche Berater in der Vermögensverwaltung zu ersetzen. Nun ziehen sich zwei große Player mangels Erfolg auf ihre Heimatmärkte zurück. Bild: Adobe Stock/sompong_tom

Robo-Advisor traten an, um menschliche Berater in der Vermögensverwaltung zu ersetzen. Nun ziehen sich zwei große Player mangels Erfolg auf ihre Heimatmärkte zurück. Bild: Adobe Stock/sompong_tom

Zwei große Robo-Advisor treten den Rückzug an: Scalable beendet sein Angebot für Privatanleger in Großbritannien. Und Moneyfarm verlässt Deutschland, um sich auf Großbritannien und Italien zu fokussieren. Die Beispiele belegen, dass die automatisierte, digitale Vermögensverwaltung für Retail-Kunden in Schwierigkeiten steckt.

Aktuell tummeln sich etwa 20 Anbieter auf dem deutschen Markt. In Summe verwalten sie rund sechs Milliarden Euro. Gregor Povh, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Persephone, nennt auf Anfrage ein Potenzial von sechs bis acht Millionen Kunden mit einem freien Vermögen von insgesamt 250 Milliarden Euro.“ Nach oben wäre also noch ganz viel Luft. Doch anders als erwartet, hält sich das Interesse der deutschen Kunden an einer auf Maschinen und Algorithmen basierten Vermögensverwaltung in Grenzen. Das Ergebnis: Fast kein „Robo“ verdient Geld.

Kritische Masse liegt bei 1 Milliarde Euro

Beobachtern zufolge muss das Asset under Management mindestens bei rund einer Milliarde Euro liegen, damit sich das Geschäft lohnt. Auf die Bedeutung hoher Volumina weist auch Axel Wieandt, Honorarprofessor der privaten Hochschule WHU, hin:

„Die Kosten der Kundenakquisition betragen immer noch mehrere Hundert Euro, so dass es angesichts der geringen Margen in der Summe großer Kundenvolumina bedarf.“

Die kritische Masse zu erreichen, ist ein Problem. Das schematische Vorgehen der Roboter und die oft einheitlichen Anlagelösungen schreckt Kunden offenbar ab.

Vor allem die sehr vermögende Klientel fühlt sich bei Robotern nicht gut aufgehoben. Dies ist der Grund, weshalb zum Beispiel die Berenberg Bank im Bereich Wealth Management auf die digitale automatisierte Vermögensverwaltung verzichtet. „Mit einigen wenigen Fragen, die über einen Robo-Advisor gestellt werden, lässt sich in der Beratung nicht die Tiefe erreichen, die wir bei komplexen Vermögensstrukturen brauchen“, sagt Klaus Naeve, Co-Head Wealth and Asset Management bei Berenberg.

Der deutsche Markt ist schwierig

Auch Persephone-Geschäftsführer Povh analysiert die Gründe für die Probleme der Robo-Advisor. Seiner Meinung nach „ist der deutsche Markt in der Tat schwierig.“ Kaum ein Anleger stecke sein gesamtes liquides Vermögen in ein für ihn neues Angebot. Daher bleibe vom Marktpotenzial in Höhe von 250 Milliarden Euro nicht mehr als zehn bis 20 Milliarden Euro übrig. Und wie Naeve sagt auch Povh, dass mit der Größe des Vermögens das Interesse an einem standardisierten Anlagemodell sinke.

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