Vermögen: Warum auch Barwerte von Renten zählen

Detlef Pohl Berater Top News

Barwerte auch für Mütter und Väter wichtig

Vor der Aufgabe, monatliche Einnahmen und Ausgaben zu kapitalisieren, stehen auch junge Familien, die das Todesfallrisiko der Familienernährer absichern wollen. Eine Mutter (35) zum Beispiel, die insgesamt 50 Jahre ein Versorgungseinkommen von 2.000 Euro anstrebt, das jedes Jahr um 2,0 Prozent steigt, benötigt bei 3,0 Prozent Anlagezins nach Steuern laut Looman 942.000 Euro Vermögen.

Risiko-Lebensversicherer berechnen für die Todesfallleistung der Frau über eine Million Euro ab 60 und 80 Euro Monatsbeitrag, wenn die Absicherung bis zum 60. Geburtstag läuft. Eine Versicherung bis 85 müsse nicht sein: „Wenn es eine Frau nicht schafft, sich eine eigene Altersrente aufzubauen, dann hat sie mit Zitronen gehandelt“, meint Looman.

Der Monatsbeitrag sei viel Geld für die Hoffnung, dass der Leistungsfall nicht eintritt, weiß der Finanzanalytiker aus Mandantengesprächen. Wer die Gefahr jedoch nicht wahrhaben will und im Ernstfall lieber auf den Staat hofft, geht andere Risiken ein. „Witwenrenten sind in der Regel bescheiden, und es gibt auch keine Garantie, dass der Staat immer zur Stelle sein wird“, meint Looman.

BMF-Schreiben hilft bei der Barwertermittlung

Der Kolumnist hat noch einen Lesetipp: Das BMF-Schreiben vom 28. Oktober 2020 zur „Berechnung einer lebenslänglichen Nutzung oder Leistung“ beinhaltet in einer Tabelle die Vervielfältiger zur Berechnung des Kapitalwerts lebenslänglicher Leistungen, die nach der aktuellen Sterbetafel 2017/2019 des Statistischen Bundesamtes ermittelt wurden und seit 2021 gültig sind. Dabei wird der Barwert allerdings mit optimistisch hohen 5,5 Prozent „sicheren“ Zinsen errechnet.

Ein kurzer Blick in die Tabelle genügt, um festzustellen, dass der Rentner im ersten Beispielsfall mit einer 3.000 Euro-Monatsrente alles andere als arm dran ist. „Ausgangspunkt sind die Jahresrenten, die mit den jeweiligen Vervielfältigern in der Tabelle zu multiplizieren sind“, erklärt Looman auf Nachfrage von procontra. Die 36.000 Euro Jahresrente des Mannes, der statistisch noch 17,94 Jahre lebt, sind demnach bei einem Vervielfältiger von 11,532 rund 415.000 Euro wert.

Das ist laut Looman jedoch eine riskante Betrachtungsweise, denn „5,5 Prozent sichere Zinsen pro Jahr gibt es derzeit nirgendwo“. Daher rechnet Looman selbst nur mit 3,0 Prozent bei der Abzinsung und kommt so auf 501.000 Euro.

Oft kein Grund zum Jammern

Das ist ein beträchtliches finanzielles Vermögen, bei dem eigentlich kein Grund zum Jammern besteht. Und Berater sollten auf diese Vermögenswerte, die in Renten stecken, in der Vorsorgeberatung aufmerksam machen, und sie keinesfalls verschweigen oder niedrigrechnen.

Oder um es mit Looman zu sagen: „Rechenfehler sind die besten Voraussetzungen, um vor lauter Angst schon bald ins Grab zu sinken, und das muss ja nun wirklich nicht sein.“

Seite 1: Die Krux mit den Barwerten
Seite 2: Warum die Rechenhilfen des BMF tückisch sind