Vermögen: Warum auch Barwerte von Renten zählen

Detlef Pohl Berater Top News

Geht es um die Vermögensbilanz im Alter, vergessen viele Berater, Renten und Konsum einzurechnen. Deren Barwerte sind oft beträchtlich. Wie man Barwerte einfach und richtig ermitteln kann.

Hohe Barwerte für Renten aller Art zeigen, dass viele im Alter deutlich mehr als nur Kleingeld ausgeben können. Bild: Pixabay/peerpubben

Die richtige Einbeziehung der Barwerte für Renten aller Art zeigt, dass viele im Alter deutlich mehr als nur Kleingeld ausgeben können. Bild: Pixabay/peerpubben

Einkommen, Renten und Konsum sind für die meisten Privatleute keine Geldverträge. „Folglich werden diese Positionen bei der Gestaltung des Vermögens auch nicht berücksichtigt“, sagt Finanzanalytiker Volker Looman. Wenn die Zahlungen aber unter den Tisch fallen, sind Fehler bei der Vermögensbilanz die logische Folge, schrieb er kürzlich in seiner wöchentlichen FAZ-Kolumne.

Daher jammern viele, dass sie trotz eigentlich guter Rücklagen kaum mehr als 1.500 Euro pro Monat im Rentenalter ausgeben können. Doch oft können sich die Betroffenen viel mehr leisten. Man muss dazu nur richtig rechnen. Das heißt: „Die heutigen Werte künftiger Einnahmen und Ausgaben, in der Finanzmathematik Barwerte genannt, sind die Grundlage jeder Vermögensbilanz“, erinnert Looman.

Barwerte von Renten gehören zum Vermögen

Selbst manche Berater vergessen – wie die meisten Kunden –, dass zum Vermögensstatus auch die Rentenansprüche gehören. Und die sollten nicht nur aus der aktuellen Renteninformation des gesetzlichen Rententrägers abgelesen werden, sondern gehören abgezinst mit der Lebenserwartung in den Statusbericht.

In einem Beispielfall berichtet Looman in seiner FAZ-Kolumne von einem 65-jährigen Gutverdiener, der 3.000 Euro Altersrente zu erwarten hat. Das Geld liegt nicht auf dem Konto, doch weil die Zahlungen jeden Monat kommen, spielt der Betrag für die Vermögensgestaltung eine Rolle. Um den Barwert zu ermitteln, kalkuliert Looman, dass der Anleger statistisch noch knapp 18 Jahre leben wird und die Zahlungen mit 3,0 Prozent auf die Gegenwart abgezinst werden. Das ergibt nach Looman einen Vermögensbetrag von 501.000 Euro.

Wer als Laie nachrechnet und den Betrag mit 3,0 Prozent multipliziert und durch 12 teilt, kommt nur auf etwa die halbe Rente. Des Rätsels Lösung: „Die Abzinsung laufender Zahlungen unterstellt den vollständigen Verzehr des Kapitals“, erklärt der Finanzanalytiker. Wird dagegen nur mit dem Verbrauch der Zinsen gerechnet, wird unterstellt, dass am Ende das Kapital erhalten bleibt – das ist bei gesetzlichen Renten und bei Pensionen aber nicht der Fall“, so Looman.

Barwerte auch bei Ausgaben wichtig

Die Barwerte leisten auch bei den Ausgaben wertvolle Dienste. Wer als Selbstständiger zum Beispiel mit 55 in den Ruhestand und in den folgenden 35 Jahren monatlich 4.000 Euro ausgeben will, benötigt bei 3,0 Prozent Anlagezins mindestens 1,048 Millionen Euro, hat Looman errechnet.

Sollte der Wert des Geldes in dieser Zeit allerdings jedes Jahr um 2,5 Prozent Inflation sinken, würden sogar 1,528 Millionen Euro benötigt. „Diese Barwerte zeigen die Chancen und Risiken der Geldanlage auf“, erklärt der Finanzanalytiker.

Seite 1: Die Krux mit den Barwerten
Seite 2: Warum die Rechenhilfen des BMF tückisch sind