Vermittlerkartei AVAD: Fair oder reformbedürftig?

Florian Burghardt Berater Recht & Haftung Versicherungen Top News

Warnungen vor unseriösen Vermittlern verhindern will Timmermann nicht. Vielmehr stört den Juristen die Ungleichverteilung der Kräfte. Vermittler wären den Einschätzungen der Versicherer ausgeliefert und könnten sich nur mühsam ihr Recht erkämpfen, während negative Einträge beziehungsweise Sperrungen mit jedem weiteren Tag ihres Bestehens Reputationsschäden hervorriefen.

In diesem Zusammenhang würde fälschlicherweise immer wieder ein Urteil des Hamburger Landgerichts aus dem Jahr 2010 zitiert (Az.: 312 O 367/09), wonach ‚der bloße Verdacht‘ des Versicherers für eine negative AVAD-Auskunft nicht ausreiche, so Timmermann. Laut dem Urteil müsse für eine solche Verdachtsmeldung zwar ein Mindestbestand an Beweisen recherchiert werden. Vereinfacht gesagt sei dieser Mindestbestand aber nicht mit dem hinreichenden Verdacht bei einem strafrechtlichen Ermittlungsverfahren vergleichbar. Erst der hinreichende Verdacht führe zur Anklageerhebung. Der vorausgehende Anfangsverdacht führe lediglich zu einem Ermittlungsverfahren, das unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt werde. Aus Timmermanns Sicht findet die öffentliche „Anklageerhebung“ in Form einer negativen AVAD-Auskunft aber bereits auf dem Beweisniveau eines Anfangsverdachts statt.

„Wie soll dies eine privatrechtlich tätige Versicherung leisten, die selbstverständlich nur auf die ihr vorliegenden Unterlagen zurückgreift und gerade keine breitangelegte Ermittlung durchführen wird?“, fragt sich der Jurist.

Nachfragen und Erklären notwendig

Kommt es also in manchen Fällen fälschlicherweise zu negativen Auskünften über Vermittler? Das wäre für diese natürlich sehr ärgerlich, sofern es sie in ihrer Karriere bremst oder es ihnen erschwert, für sich und gegebenenfalls ihre Familien zu sorgen. Jenssen ordnet ein: „Unsere Erfahrung ist vielmehr, dass Versicherer bei einem prospektiven Vermittler durchaus nachfragen, warum ein Sperrvermerk vorhanden ist. Hier kann dann der Vermittler erklären, aus welchen Gründen seiner Auffassung nach, der Vermerk nicht richtig ist. Sonst wäre es ja auch nicht zu erklären, warum trotz derartiger Einträge solche Vermittler eine neue Anbindung zum Beispiel zu einem Versicherer erhalten.“

Diese Aussage des BDVM-Chefs impliziert allerdings, dass Versicherer negative AVAD-Auskünfte erstellen, die sich im Nachhinein als falsch herausstellen beziehungsweise von den betroffenen Vermittlern ins rechte Licht gerückt werden müssen.

Manchmal liegen die Versicherer falsch

Laut AVAD-Geschäftsführer Schwarz sind 2020 insgesamt 43.121 Auskünfte erstellt worden. Davon hätten 2.770 Negativmerkmale enthalten, das sind 6,4 Prozent. Viele davon seien aber durch negative Salden, beispielsweise auf den Provisionskonten, entstanden und wären schnell geklärt worden. Das sind dann keine Negativmeldungen im engeren Sinne, so Schwarz.

Gegen die Negativmeldungen wurden 128 Einsprüche eingelegt, wobei im Regelfall jeder Einspruch zu einer Sperrung führe. Stand 26. März 2021 seien noch 48 dieser Einsprüche aktiv gewesen. „Die restlichen 80 haben sich erledigt. Erledigung heißt aber keinesfalls nur, dass die Einsprüche immer begründet waren und die Auskünfte von den Unternehmen korrigiert werden mussten. Es kann auch schlicht bedeuten, dass der Einspruch verworfen wurde, weil das meldende Unternehmen die bestrittene Behauptung beweisen konnte. Im Jahre 2020 wurde kein Rechtsstreit gegen uns geführt, was schon verdeutlicht, dass es in den allermeisten Fällen wohl zu einer sachgerechten Lösung kommt“, erklärte der AVAD-Geschäftsführer gegenüber procontra.

Unter dem Strich leistet die AVAD offensichtlich einen wichtigen Beitrag dazu, die Branche von schwarzen Schafen zu befreien. Dabei kommt es aber offenbar auch zu einzelnen Falschmeldungen, die Vermittler in ihrem beruflichen Fortkommen hindern und sich anschließend nur mühsam wieder geradebiegen lassen. Diese in Zukunft komplett zu vermeiden, würde das System AVAD auf jeden Fall noch besser machen.  

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