Vermittlerkartei AVAD: Fair oder reformbedürftig?

Florian Burghardt Berater Recht & Haftung Versicherungen Top News

Zunächst einmal gilt es klarzustellen: Negative AVAD-Einträge führen keineswegs zu einem Kampf der Vermittlerlobby gegen die Versicherer. Vielmehr unterstützen die Berufsverbände von Vertretern und Maklern das Konzept der Auskunftsstelle.

„Versicherung insgesamt und gerade die Versicherungsvermittlung basiert auf Vertrauen. Die AVAD ist ein Instrument, um das Vertrauen in ordnungsgemäß arbeitende Vermittler aufrecht zu erhalten beziehungsweise zu fördern“, meint Dr. Hans-Georg Jenssen. Der geschäftsführende Vorstand des Bundesverbands Deutscher Versicherungsmakler (BDVM) sitzt auch im Vorstand der AVAD, der BDVM ist Mitgliedsunternehmen.

Die Industrie- und Handelskammern als Aufsichtsbehörden könnten es laut Jenssen nicht leisten, auch regelmäßig die Solidität der Vermittler zu kontrollieren. Dass relativ viele Vermittler durch ungerechtfertigte negative AVAD-Auskünfte in ihrem beruflichen Fortkommen beeinträchtigt würden, glaubt der BDVM-Chef nicht. Vielmehr würde es nur die treffen, die wirklich Mist gebaut hätten, so Jenssen sinngemäß gegenüber procontra.

Sperrung möglich, aber…

So sieht man das auch beim Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK), ebenfalls Mitgliedsunternehmen im AVAD-Verein. „Die leider häufig anzutreffende Ansicht ist also irreführend und falsch, dass es sich bei der AVAD um eine Art Bonitätsprüfstelle der Vermittler handelt. Die AVAD ist eine wichtige Institution, um die Kunden vor unseriös tätigen Vertriebsstrukturen zu schützen“, sagt BVK-Präsident Michael H. Heinz.

Sein Vizepräsident und AVAD-Vorstandsmitglied, Gerald Archangeli, erklärt: „Sollte ein Eintrag fehlerhaft sein und legt der betroffene Vermittler gegen einzelne Teile der Auskunft einen begründeten Einspruch entweder beim Unternehmen oder bei der AVAD ein, so werden diese Teile der Auskunft bis zur Klärung gesperrt. Sollten die Einwände des Vermittlers zutreffend sein, werden sie korrigiert.“

Eine solche Sperrung bleibt für anfragende Unternehmen allerdings sichtbar. „Allein der Umstand, dass ein Eintrag gesperrt ist, ist für Branchenkenner, Konkurrenten und andere Versicherer dann schon der Hinweis, dass ein negativer Eintrag bestehen muss“, erläutert Vermittler-Anwalt Timmermann. Doch auch in diesem Umstand sieht BDVM-Chef Jenssen einen Nutzen: „Dass eine Sperrung dann aber natürlich ein Signal setzt, ist ebenfalls völlig klar und in der Regel auch notwendig. Kündigt zum Beispiel ein Versicherer einem Agenten fristlos, weil dieser Kunden oder den Versicherer betrogen haben soll, und kommt es darüber zu einem Rechtsstreit, so kann es recht lange dauern, bis dann in dieser Sache ein Urteil gesprochen wird. Wäre die AVAD-Auskunft so lange völlig ‚blank‘, würde das Ziel der AVAD praktisch leerlaufen.“

Seite 1: Der Pranger für Vermittler?
Seite 2: Vermittlerverbände sind „pro AVAD“
Seite 3: Das AVAD-System ist nicht unfehlbar