Vermittlerkartei AVAD: Fair oder reformbedürftig?

Florian Burghardt Berater Recht & Haftung Versicherungen Top News

Die AVAD soll die Branche vor schwarzen Schafen schützen. Doch teilweise fühlen sich Vermittler von den negativen Einträgen der Versicherer zu Unrecht an den Pranger gestellt. Unsere Recherchen zeigen: Es kommt tatsächlich zu unangenehmen Falschmeldungen.

Die AVAD verfolgt mit der Kontrolle unseriöser Vermittler ein wichtiges Anliegen der Versicherungsbranche. Manche Vertreter und Makler fühlen sich von den Versicherern aber fälschlicherweise an den Pranger gestellt – und das zu Recht. Bild: Adobe Stock/vc

Die AVAD verfolgt mit der Kontrolle unseriöser Vermittler ein wichtiges Anliegen der Versicherungsbranche. Manche Vertreter und Makler fühlen sich von den Versicherern aber fälschlicherweise an den Pranger gestellt – und das zu Recht. Bild: Adobe Stock/vchalup

Jeder Vermittler sollte die AVAD kennen. Schließlich wird bei der als Verein eingetragenen Auskunftsstelle über Versicherungs-/Bausparkassenaussendienst und Versicherungsmakler in Deutschland, kurz AVAD, fast jede neue Zusammenarbeit eines Vertreters oder Maklers mit einem Produktgeber registriert. Dies erfolgt über sogenannte Tätigkeitsmeldungen, zu denen auch jede Courtagezusage eines Maklers zählt.

Die Versicherer sind von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) angehalten, das AVAD-Verfahren in jedem Fall zu nutzen. Laut AVAD-Geschäftsführer Stefan Schwarz gingen im vergangenen Jahr 58.027 Tätigkeitsmeldungen bei seinem Verein ein. Die Marktabdeckung schätzt er als sehr hoch ein, genau wie der GDV, der die Auskunftsstelle als Mitglied fördert. „Nach unserer Kenntnis ist das maßgeblich für die internen Arbeitsabläufe der Versicherer“, bestätigte ein GDV-Sprecher auf procontra-Nachfrage.

Berufliches Fortkommen erschwert

Zu dem Verfahren gehören aber auch die sogenannten Auskünfte. Damit teilen Versicherer und Bausparkassen die Beendigung einer Zusammenarbeit mit einem Vertreter oder die Auflösung einer Courtagezusage mit einem Makler mit. Sie bleiben für rund drei Jahre gespeichert. Auch diese Informationen sollen die Unternehmen – nach dem Willen der Bafin – vor dem Zustandekommen einer neuen Kooperation prüfen. Das Problem: Enthalten die Auskünfte von Vermittlern Negativmerkmale wie zum Beispiel ungeordnete Vermögensverhältnisse oder gar Betrugsvorwürfe – der Versicherer hat ihm quasi ein schlechtes Zeugnis ausgestellt – könnte die Zusammenarbeit mit dem neuen Produktgeber scheitern.

„Sowohl der unmittelbar einem Versicherer unterstellte Vertreter als auch der über seine Courtage-Zusage von diesem mittelbar abhängige Makler muss einen solchen AVAD Eintrag fürchten, da somit ein Vertriebsvertrag-Partner es in der Hand hat, vermeidliche Negativ-Tatsachen zu kolportieren. Dies muss für jeden Berater, dessen Haupt-Kapital das Vertrauen darstellt, ein Alptraum sein“, so die Einschätzung von Rechtsanwalt Oliver Timmermann von der Kanzlei Michaelis.

Sehr oft würden deshalb Vermittler mit negativen AVAD-Auskünften auf die Hamburger Kanzlei zukommen, die auf Vermittlerrecht spezialisiert ist. Sie fühlen sich von den Versicherern zu Unrecht an den Pranger gestellt. Aber haben sie überhaupt eine Möglichkeit, sich gegen den negativen Eintrag zur Wehr zu setzen und diesen ändern beziehungsweise löschen zu lassen, sofern er nicht zutrifft?

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