Verkehrsrechtsschutz: Finanztest mit zweifelhaften Methoden

Detlef Pohl Versicherungen Top News

Diese Leistungen gibt es fürs Geld

Die getesteten Policen bieten fünf Leistungsarten, die hier jeweils anhand eines Beispiels beschrieben werden:

  • Schadenersatz-Rechtsschutz: Ein Fußgänger wird beim Spaziergang von einem Radfahrer schwer verletzt und fordert Schadenersatz für seinen Verdienstausfall;
  • Vertrags-Rechtsschutz (fürs Auto): Sie möchten den Gebrauchtwagenkauf rückgängig machen, weil der Händler verschwiegen hatte, dass es ein Unfallwagen ist;
  • Straf-Rechtsschutz: Nach Autounfall mit Personenschaden wird Ihnen ein Vergehen (etwa Körperverletzung) vorgeworfen;
  • Ordnungswidrigkeiten-Rechtsschutz: Sie sollen am Steuer eine Ordnungswidrigkeit begangen haben (etwa Handytelefonat ohne Freisprecheinrichtung);
  • Verwaltungs-Rechtsschutz: Sie wollen sich gegen einen drohenden Führerscheinentzug wehren.

Ohne den Rechtsschutz muss der Betroffene seinen Anwalt selbst bezahlen. Kommt es zum Prozess, kommen Gerichtskosten dazu, Ausgaben für einen Sachverständigen – etwa beim Streit um einen Mangel am Auto – und Anwaltskosten des Gegners. Das kann teuer werden.

Rechtskosten gestiegen, einige Versicherer unprofitabel

Beispiel: Bei einer Diesel-Klage wegen manipulierter Abgaswerte und Rückabwicklung des Kaufs oder Schadenersatz wegen Wertminderung beträgt der Streitwert im Schnitt 23.000 Euro. Schon in der ersten Instanz fallen bis zu 5.400 Euro Anwaltskosten sowie 1.100 Euro Gerichtskosten an. Und zum 1. Januar 2021 sind auch die Gebühren für Anwälte und Gerichte gestiegen, im Schnitt um zehn Prozent, in sozialrechtlichen Angelegenheiten um 20 Prozent.

Da wundert es nicht, dass die Kunden eine große Erwartungshaltung zur Kostenübernahme haben, die Versicherer angesichts explodierender Rechtskosten aber genau hinsehen, wem sie die Deckungszusage geben und wem nicht. Einige Anbieter haben schon 2020 die Beiträge angehoben, andere werden folgen, weil sie aktuell nicht profitabel arbeiten.

Aktuell kosten Verkehrs-Rechtsschutzpolicen mit 150 Euro SB laut Finanztest zwischen knapp 90 und 145 Euro. Dafür wird sehr unterschiedlicher Inhalt geboten. So verzichten ADAC, Allianz, Allrecht/Deurag, Ergo, Huk24, Huk-Coburg, VRK und GWV generell auf Wartezeiten, die sich anderswo auf drei Monate belaufen. Bei einigen Anbietern wird der SB nicht fällig, wenn nur eine Erstberatung erfolgt, etwa bei ADAC, BGV Badische, Ergo und VGH.

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