Trendwende durch Pandemie: Die neue Lust aufs Landleben

Anne Mareile Walter Sachwerte

Durch Corona sind die eigenen vier Wände in vielen Haushalten zum Lebensmittelpunkt geworden: Immer mehr Menschen halten in der aktuellen Pandemie das Wohnen auf dem Land für sinnvoll. Ein Schnäppchen sind Eigenheime in der urbanen Peripherie dabei längst nicht mehr.

Wohnen Bild: Adobe Stock/tomertu

Ein Haus im Grünen finden viele Menschen in der aktuellen Pandemie ideal, um Arbeiten und Wohnen miteinander zu verbinden. Bild: Adobe Stock/tomertu

Durch Corona ist das Arbeiten in den eigenen vier Wänden bekanntermaßen für einen Teil der Bevölkerung zum Normalzustand geworden – die Einstellung zum eigenen Zuhause hat sich gewandelt. Mit den durch die Pandemie veränderten Arbeitsbedingungen können Eigenheimbesitzer in der Regel gut umgehen. Gleichzeitig ist die Eigenheimfinanzierung für bestimmte Bevölkerungsgruppen, unabhängig von der Pandemie, immer schwieriger zu stemmen. 30 Prozent der Eigentümer fühlten sich während des Pandemie-Jahrs 2020 in ihrer Entscheidung, in eine Wohnimmobilie investiert zu haben, bestärkt. Dies ergab eine Studie, die die Interhyp AG als Vermittler von privaten Baufinanzierungen in Auftrag gegeben hat und in der 1.038 Menschen online befragt wurden.

„Viele Teilnehmer waren begeistert, wie gut die Umstellung aufs Homeoffice funktioniert hat“, erklärte Interhyp-Finanzvorstand Stefan Hillbrand auf einer Pressekonferenz zum Geschäftsjahr 2020. Dabei bewerteten die Teilnehmer der Analyse die neue Arbeitssituation aber nicht durchweg positiv. So gaben die Befragten beispielsweise an, einen zu geringen räumlichen Abstand zu ihren Mitbewohnern während der Lockdown-Zeit zu haben. 42 Prozent von ihnen hielten das Wohnen auf dem Land während der Pandemie für sinnvoll, da sich dort Leben und Arbeiten auf einer größeren Fläche miteinander verbinden lasse als in der Stadt. Demgegenüber stand ein Mangel an sozialem Umfeld, an Infrastruktur und ÖPNV-Anbindung – weitere Aspekte des ländlichen Lebens. „Tatsächlich wohnen wollen die meisten eher im Speckgürtel einer Großstadt“, machte Hillbrand deutlich.

Teile der Gesellschaft werden von finanzieller Sicherheit ausgeschlossen

Zwar gilt der ländliche Raum den Umfrageteilnehmern als leistbare Alternative zum Immobilienstandort Großstadt, wo die Quadratmeterpreise kontinuierlich steigen. Doch auch in den Speckgürteln ziehen die Preise längst stark an und steigen zum Teil deutlicher als in vielen Metropolen, wie eine Analyse der Sparda-Bankengruppe vor Kurzem ergab. Trotz dieser Entwicklung sei demnach der Wohnraum in der Peripherie noch um durchschnittlich 55 Prozent günstiger als der in der Stadt.

Ob urban oder ländlich: Das Eigenheim ist für viele Menschen immer noch ein Baustein in der privaten Altersvorsorge. 79 Prozent der Eigenheimfinanzierer nahmen zu diesem Zweck im vergangenen Jahr ein Bankdarlehen auf, 51 Prozent setzten eigene Ersparnisse ein und 29 Prozent stemmten die Finanzierung mit Unterstützung von Familie und Freunden. Zu diesem Ergebnis kommt eine weitere Interhyp-Studie. Darin gaben 36 Prozent an, dass sie ihr Eigenheim nicht ohne ein erhaltenes Erbe hätten erwerben können, bei 25 Prozent wäre dies nicht ohne Schenkung und bei 23 Prozent nicht ohne Privatkredit möglich gewesen. Das Fazit des Vorstandsvorsitzenden: „Der Immobilienerwerb wird für bestimmte Gruppen immer schwieriger und bemisst sich in Abhängigkeit von Familie und Freunden. Große Teile der Gesellschaft werden so von finanzieller Sicherheit ausgeschlossen."