Sturz vom Pferd: Haftet die Reitschule?

Florian Burghardt Berater Recht & Haftung

Ein Mädchen war beim Ponyreiten schwer gestürzt, es folgten eine OP und mehrere Wochen im Rollstuhl. Ob ihr Schmerzensgeld von der Reithalle zusteht oder sie den Sturz durch missachtete Kommandos selbst verschuldet hat, musste das OLG Oldenburg entscheiden.

Ist einer Reitschule zum Schadenersatz verpflichtet, wenn eine der Schülerinnen beim Training vom Pferd fällt? Bild: Pixabay/Pezibear

Ist einer Reitschule zum Schadenersatz verpflichtet, wenn eine der Schülerinnen beim Training vom Pferd fällt? Bild: Pixabay/Pezibear

Reiten ist nicht gerade die ungefährlichste Sportart. Schließlich geht es darum, mit einem Tier zu interagieren, das schwerer und stärker ist als man selbst. Zwar gehen viele Stürze glimpflich aus, doch manchmal kann es auch zu schmerzhaften Personenschäden kommen.

Diese Erfahrung musste ein damals achtjähriges Mädchen machen. Beim Ponyreiten in einer Reithalle wurde ihr Tier von einer Angestellten an der Longe geführt. Bei einem Sturz vom Pferd fiel das Tier zu allem Übel auf das Mädchen. Dieses erlitt dadurch einen Bein- und einen Schlüsselbeinbruch und musste operiert werden. Nach der Operation saß sie für sechs Wochen im Rollstuhl. Anschließend wurde die Reithalle vor dem Oberlandesgericht Oldenburg auf 10.000 Euro Schmerzensgeld verklagt.

Besondere Vorsicht bei Reitstunde mit Kind

Die Betreiber der Reithalle beriefen sich darauf, dass das Pony stets ruhig gewesen sei. Zudem habe das Mädchen möglicherweise auch die Kommandos der Reitlehrerin nicht richtig umgesetzt und dadurch den Sturz begünstigt. Doch diese Argumente ließen die Richter nicht gelten. Sie sprachen dem Mädchen das Schmerzensgeld in Höhe von 10.000 Euro zu (Urteil vom 30.11.2020; Az.: 2 U 142/20).

Aus Sicht der Richter habe sich bei dem Unfall eine typische Tiergefahr realisiert. Dies gelte auch, sofern das Mädchen möglicherweise die Kommandos nicht richtig umgesetzt hatte. Denn zu berücksichtigen sei das Alter des Kindes und ihre mangelnde Reiterfahrung. Vielmehr sei im Rahmen einer Kinderreitstunde besondere Vorsicht geboten. Auf das ruhige Wesen des Ponys könne man auch nicht abstellen, da die Reithalle das Tier erst vor einem halben Jahr erworben und noch nicht explizit auf dessen Toleranz kindlicher Reitfehler getestet habe.

Das OLG Oldenburg wies darauf hin, dass eine Berufung keine Aussicht auf Erfolg habe. Daraufhin hat die beklagte Reitsportanlage ihre Berufung zurückgenommen. Damit ist das Urteil rechtskräftig.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare