Spott und Häme: Versicherer kassieren erneut Prügel

Martin Thaler Berater Versicherungen Panorama Top News

In der „Heute Show“ waren die Versicherer am vergangenen Freitag erneut Zielscheibe für Gags und Kritik. Anlass – was sonst – war der Streit um die Betriebsschließungsversicherungen. Aus diesem gehen die Versicherer auf jeden Fall als Verlierer hervor, glaubt procontra-Redakteur Martin Thaler.

Kritik an Versicherern Bild: Adobe Stock/fotokitas

Verbal gab es für die deutschen Versicherer am vergangenen Freitag erneut "auf die Mütze". Bild: Adobe Stock/fotokitas

Medienexperten wissen: Humor macht interessant – wer ein Thema setzen, Aufmerksamkeit erringen und mit seiner Botschaft beim Konsumenten bzw. Zuschauer durchdringen möchte, greift gerne zum Stilmittel der Pointe, des Wortwitzes oder sonsteiner Form des Humors. Studien haben beispielsweise ergeben, dass sich Desinteressierte mit humoristischer Politikvermittlung wesentlich besser erreichen lassen als mit klassischen Bildungsangeboten.  

Dementsprechend fällt der „Heute Show“ im ZDF eine besondere Rolle zu: Seit 2009 ulkt sich Moderator Oliver Welke durchs politische Wochengeschehen und erreicht damit mittlerweile ein Millionenpublikum. Die Themen, die die Show aufgreift, sorgen folglich für Aufmerksamkeit, werden diskutiert, tragen zur Meinungsbildung bei.  

Streit um Betriebsschließungsversicherungen

Entsprechend dürfte den deutschen Versicherern die Sendung vom vergangenen Freitag nicht gefallen haben. Denn erneut – wie bereits im Vorjahr – stand die Branche unter satirischem Dauerbeschuss.  

Anlass für die Gag-Kanonade war erneut die Weigerung vieler Versicherer, Leistungsforderungen aus abgeschlossenen Betriebsschließungsversicherungen zu bedienen. Ein Vorwurf, der angesichts der immer größeren wirtschaftlichen Not vieler Gastronomen, immer mahnender geäußert wird und das öffentliche Bild der Versicherer in den vergangenen Monaten sicherlich nicht zum Besseren gewandelt hat.  

Seit einem Jahr bereits streiten sich viele Versicherer mit ihren Kunden um Leistungen aus bestehenden Betriebsschließungsversicherungen, an vielen Gerichten sind zig Klagen gegen die Assekuranzen anhängig. Erst in der vergangenen Woche wies das Landgericht München II eine Klage des Reutberger Klosterbraustüberls gegen die Allianz zurück – andere Gerichte haben jedoch durchaus zugunsten der Wirtsleute entschieden. Eine Klärung in diesem Konflikt dürfte wohl erst in einigen Jahren der Bundesgerichtshof herbeiführen.  

Doch unabhängig, ob die Versicherer aus diesem sieg- oder verlustreich hervorgehen – Verlierer sind sie so oder so. Denn das – zugegebenermaßen sehr holzschnitzartige Bild – das Oliver Welke seinem Millionenpublikum am Freitag zeichnete, dürfte bestehende Vorurteile weiter bestätigen und auch in der Politik dazu beitragen, die Branche stärker im Auge zu behalten.

Versicherer zermürben Kunden

„Wenn Versicherer etwas können, dann Kunden zermürben“, stichelte Welke und zeichnete im Gespräch mit einer fiktiven Vertreterin des GDV das Bild von der Versicherung, die alles tut, um sich aus ihrem Leistungsversprechen gegenüber dem Kunden herauszuwieseln. Beispiel Reisegepäckversicherung. Diese würde nur zahlen, wenn der Kunde praktisch den gesamten Urlaub auf dem Koffer sitzen bleibe. „Sonst nennen wir das grobe Fahrlässigkeit“, setzte die fiktive GDV-Vertreterin die entsprechende Pointe.  

 

Zugleich würden die Versicherer alles dafür tun, die Kunden zum Abschluss weiterer Policen zu animieren. Passenderweise wurde sogleich per Einspieler ein „Versicherungsvertreter“ gezeigt, der mit Backstein in der Faust eine betagte Kundin zum Abschluss einer dringend benötigten Glasbruchversicherung „animiert“. Garniert wird das Bild vom skrupellosen Vertreter dann noch mit einem Beitragsschnipsel einer alten Kontraste-Sendung, in der der WDR damals munter die Begrifflichkeiten Vertreter und Makler durcheinanderwarf – zur „Vereinfachung“ wie es damals hieß.  

Sehr einfach ist auch die Kritik der Heute Show an der Versicherungsbranche – wenn sie auch tatsächlich den einen oder anderen wunden Punkt aufzeigt und von der Branche selbstverschuldet ist – Stichwort Betriebsschließungsversicherung.  

Es bleibt abzuwarten, welche Wirkung der gezeigte Beitrag entwickelt. Dient er den Zuschauern lediglich als leichte Unterhaltung zum Wochenend-Auftakt oder verharrt das gezeichnete Bild von der im Schadensfall nicht leistenden Versicherung in den Köpfen? Gerade in ihrem Bemühen, die Menschen von der Absicherung essentieller Risiken wie der Berufsunfähigkeit zu überzeugen, hätten sich die Versicherer mit ihrer Verweigerungshaltung der vergangenen Monate einen echten Bärendienst erwiesen.

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