Respektloser Kanzlerkandidat

Gastkommentar Berater Versicherungen Top News von Matthias Beenken

Gar nicht erwähnt wurde, dass es bis 2008 einen Provisionsdeckel von 40 Promille der Beitragssumme gab. Dieser war durch die Vorgängerbehörde der BaFin, das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen, den Versicherern gegenüber angeordnet worden. Dieses Rundschreiben wurde von der BaFin jedoch aufgehoben. Begründet wurde das damit, dass die 2008 eingeführte Offenlegung der in Lebensversicherungen einkalkulierten Abschluss- und Vertriebskosten ausreicht, für Wettbewerbsdruck auf die Vergütungen sorgen wird. Eine offensichtliche Fehleinschätzung der Aufsichtsbehörde und des vorgesetzten BMF.

Statt aber diesen Fehler von 2008 zu korrigieren, wollte das BMF mit einer hochkomplexen Regulierung mehr erreichen. Heraus kam ein nicht umsetzbares Gesetz, das nicht einmal die Bundesregierung überzeugte. So sollten bis zu 25 Promille ohne und bis zu 40 Promille mit Nachweis einer guten Beratungsqualität gezahlt werden dürfen, als ob solche Qualitätsregeln nach Belieben ein- oder ausgeschaltet werden könnten, je nachdem, wie hoch die einzelne Vergütungsabrede ausfällt.

Nur noch Testkunden beim Makler?

Nicht umsetzbar war die Idee, laufende Abschlussvergütungen mit einem variablen Zinssatz zu verbarwerten, um die Einhaltung einer Gesamthöhe von 25 oder 40 Promille sicherzustellen. Das hätte bedeutet, bildlich gesprochen jeweils in der Silvesternacht alle Vergütungsvereinbarungen neu durchrechnen zu müssen. Das, zumal der von der Bundesbank im gleitenden Durchschnitt gerechnete Zins mindestens noch viele Jahre sinken wird – im Umkehrschluss der heutige Wert künftiger Vergütungen steigen wird.

Ebenfalls aussichtslos war die Idee, durch Testkäufe die Beratungsqualität zu überwachen. Versicherungsmakler, die ihrem Anspruch gerecht werden und mit vielen verschiedenen Lebensversicherern Courtagezusagen unterhalten, hätten sich darauf einstellen müssen, zahllose Testkunden anstelle echter Kunden beraten zu müssen. Das in Verbindung mit einer sinkenden Courtage hätte den Vertrieb von Lebensversicherungen endgültig unwirtschaftlich gemacht.

Warnungen in dieser Hinsicht wurden ignoriert. So findet man aber keine sinnvollen und allgemein zu akzeptierenden Regulierungsansätze. Das dann in einen Zusammenhang mit Korruption zu bringen, ist respektlos.

procontra-Kolumnist – Matthias Beenken: Als procontra-Kolumnist ordnet Matthias Beenken aktuelle Themen aus der Versicherungs- und Beratungswelt ein und bringt die Dinge auf den Punkt. Beenken ist Professor für Versicherungswirtschaft an der FH Dortmund und verfügt über langjährige Berufserfahrung in der Versicherungs- und der Verlagsbranche. Schwerpunkt der Lehr-, Forschungs- und Publikationstätigkeit ist der Versicherungsvertrieb.

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