Rentenfonds: Sollten Anleger die Flucht suchen?

Investmentfonds Top News von Christopher Nachtweh

Die Renditen von Rentenfonds sind seit Jahren auf dem Rückzug. Dennoch können selbst konservativere Produkte das Anlegerportfolio weiterhin stabilisieren.

Rentenfonds: Trotz niedriger Zinsen lassen sich bisweilen noch attraktive Renditen erwirtschaften. Bild: Adobe Stock/guy2men

 „Raus aus den Rentenfonds“, empfahl Hermann-Josef Tenhagen im Spiegel Anlegern vor fast genau fünf Jahren. Damit die Produkte noch akzeptable Erträge erzielen könnten, müssten die ohnehin schon sehr niedrigen Zinsen ihren Abwärtstrend fortsetzen. „Die Zinsen können aber gar nicht mehr so viel weiter fallen, dass für Anleger eine vernünftige Rendite herauskommen wird“, so der Chefredakteur des Geldratgebers Finanztip.

Seither hat sich die Zinslage nochmals deutlich verschärft. Staatsanleihen aus Deutschland, der Schweiz und Japan weisen über das gesamte Laufzeitenspektrum negative Renditen auf. Weltweit ist das Volumen negativ verzinster Anleihen im Dezember 2020 auf den neuen Rekordwert von gut 18 Billionen US-Dollar geklettert, meldet die Finanzagentur Bloomberg. Damit rentiert rund ein Viertel aller Investment-Grade-Anleihen negativ.

Während diese Entwicklung an den Anleihemärkten Rentenfonds in den vergangenen fünf Jahren teilweise respektable Ergebnisse beschert hat – sinkende Renditen gehen bekanntermaßen mit Kursgewinnen einher –, stellt sich nun abermals die Frage, ob Anleger den Produkten den Rücken kehren sollten. Allenfalls minimale, vielfach gar negative Erträge lassen die Anlageklasse wenig attraktiv erscheinen. Hinzu kommt die Gefahr einer Zinswende, die nach vergleichsweise scharfen Korrekturen in der zweiten Februarhälfte neuerlich im Raum steht. 

Viel hängt dabei vom weiteren Vorgehen der Notenbanken ab. Bislang haben sich allerdings noch alle kurzfristigen Zinsanstiege seit der Finanzkrise als Strohfeuer erwiesen. „Die Schwerkraft der Schulden wird die Zinsen niedrig halten. Japan ist da Paradebeispiel“, sagt Ottmar Wolf, verantwortlich für den FAM Renten Spezial (WKN: A2PRZS), einen der erfolgreichsten flexiblen Euro-Rentenfonds:

„Schon rein mathematisch ist es nicht mehr möglich, dass die Zinsen dort steigen.“

Rolle von Rentenpapieren klären

Anleger sollten sich von derartigen Überlegungen nur begrenzt leiten lassen. Vielmehr sollten sie ungeachtet des herausfordernden Rentenmarkt-Umfelds gemeinsam mit ihren Beratern klären, welche Rolle Rentenpapieren in ihren Depots zukommt. Zwar mag gerade unter den aktuellen Bedingungen verlockend erscheinen, negativ rentierende Anleihen zu Gunsten von Papieren auszusortieren, die auch heute noch eine positive Rendite aufweisen.

Ein Rentenportfolio sollte indessen in erster Linie der Diversifikation des Portfolios dienen und nicht ausschließlich als Renditequelle angesehen werden. Eine wichtige Aufgabe ist und bleibt, als Gegengewicht zu risikoreicheren Anlagen für eine gewisse Stabilität zu sorgen. Und selbst unter den aktuell ungünstigen Zins-Umständen tragen konservative Anleihen dazu bei, das Risiko des Gesamtportfolios und seine Schwankungen maßgeblich zu beschränken.

Zahllose Studien belegen, dass eine breite Diversifikation und eine angemessene Aufteilung des Vermögens auf unterschiedliche Anlageklassen (Asset Allocation) den wesentlichen Faktor für den langfristigen Anlageerfolg darstellen. Vergleichsweise kurzfristige Entwicklungen ändern an diesen Erkenntnissen grundsätzlich nichts. Regelmäßig gilt, auch an kurz- bis mittelfristig vermeintlich unattraktiven Anlageklassen festzuhalten, um ein stabiles Korsett aufrecht zu erhalten.

Europäische Renten bieten jederzeit Chancen

Zu einem solchen Korsett zählen mangels Alternativen bis heute auch sichere Anleihen. Das sind insbesondere Staatsanleihen aus der Euro-Zone. „Euro-Staatsanleihen oder in Euro denominierte Renten sind ein Basisinvestment, das jeder Investor hält“, sagt Gerd Rendenbach, Leiter Fondsmanagement Renten Global bei Bayerninvest. Je nach Risikoneigung lassen sie sich mit offensiveren Ansätzen kombinieren, wie etwa den genannten Renten Spezial von Frankfurt Asset Management.

Verantwortlich für den Bayerninvest Renten Europa zählt Rendenbach zu den erfahrensten und erfolgreichsten Managern für das Segment (siehe Tabelle). Seine Bilanz über die vergangenen zehn Jahre ist trotz wiederholter Anläufe der Märkte zu einer Zinswende nahezu makellos. „Europäische Renten sind ein breites Anlageuniversum und bieten jederzeit Chancen“, so der Manager, dessen ursprünglich institutionellen Investoren vorbehaltener Fonds seit vergangenem Jahr auch in einer Retail-Klasse zu haben ist: „Grundsätzlich gibt es für mich selten einen optimalen Zeitpunkt, in eine bestimmte Anlageklasse zu investieren.“

Langfristig ebenfalls solide sind der von Reinhold Zeitlhofer verantwortete Kepler Europa Rentenfonds A und der DPAM Bonds Euro Selection F. Nur etwas niedriger fallen Rendite, aber auch Risiko des bereits 1988 aufgelegten DekaLux Bond A aus.

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