Nullrendite bei vielen Indexpolicen

Stefan Terliesner Berater Versicherungen Top News

Das turbulente Aktienjahr 2020 hinterlässt tiefe Spuren. Tarife mit jährlicher Feststellung der Indexpolice kommen diesmal glimpflicher davon. Makler in Erklärungsnot?

Die Corona-Pandemie verkompliziert das Geschäft mit Indexpolicen. Bild: Adobe Stock/monsitj

Die Corona-Pandemie verkompliziert das Geschäft mit Indexpolicen. Bild: Adobe Stock/monsitj

Makler, die sich an die Vermittlung von Indexpolicen herantrauen, haben es ohnehin schon nicht leicht. Das Produkt ist komplex und daher beratungsintensiv. Weil die Rendite oft von der Entwicklung bestimmter Aktienindizes abhängt, kommt jetzt bei jeder zweiten von der Ratingagentur Assekurata untersuchten Indexpolice ein weiteres Problem hinzu: null Rendite. Das könnte den einen oder anderen Kunden verärgern. „Während die Börsen in den USA und Europa historische Höchststände markieren, springt für mich nichts raus“, ist ein naheliegender Gedanke.

Eingebautes Sicherheitsnetz

Doch Indexpolicen haben ein Sicherheitsnetz eingebaut, gehen also bewusst wenig Risiken ein. Daher sind sie kein Renditerenner.

„Indexpolicen bieten ein hohes Maß an Sicherheit bei gleichzeitiger Beteiligungsmöglichkeit an den Kapitalmärkten.“Institut für Vorsorge und Finanzplanung

Dass sollten Makler gegenüber ihren Kunden betonen. Alternativ zur Indexpartizipation, in Höhe des mit dem deklarierten Überschusszins des jeweiligen Versicherers multiplizierten Vertragsguthabens des jeweiligen Kunden, kann ein Kunde sein Guthaben auch nur mit dem deklarierten Überschusszins seines Versicherers verzinsen lassen.

Die eine Variante bedeutet etwas mehr Risiko mit der Chance auf zusätzliche Aktienrendite, die andere Variante entspricht einer „sicheren Verzinsung“. Wobei die beiden Deklarationssätze sich auch unterscheiden können, wie die Grafik „Deklarierte Verzinsung von Indexpolicen“ zeigt. Hier taucht ein weiteres Problem auf: Laut Assekurata sinkt die jährlich deklarierte Überschussbeteiligung auch bei Indexpolicen. Zudem gibt es große Unterschiede zwischen den Anbietern. Bei den untersuchten 13 Versicherern reiche die Spanne des deklarierten Überschusszinses von 1,5 (Stuttgarter) über 2 (Allianz) bis hinauf zu gut 3 Prozent (Targo).

Für die Partizipation geschaffen

Auf Anfrage von procontra sagt zum Beispiel ein Sprecher von Volkswohl Bund, dass bei dessen Indexpolice „Klassik modern“ zum Stichtag 1. August 2020 zwar eine Nullrendite steht. „Wer statt einer Indexbeteiligung die sichere Verzinsung gewählt hat, wird im August 2021 die Überschussbeteiligung von 2,85 Prozent erhalten.“ Das ist zwar mehr als eine Nullrendite, aber bei Indexpolicen sollte dennoch die Indexpartizipation die Regel sein. Schließlich wurde das Produkt dafür geschaffen. Konzeptionell ist eine Indexpolice zwischen konventioneller und fondsgebundener Lebensversicherung angesiedelten. Anknüpfpunkt ist in der Regel ein Aktienindex wie der DAX.

Im Corona-Krisenjahr 2020 verzeichneten alle Börsen heftige Kursauschläge. Auch der DAX stürzte im März um 40 Prozent auf unter 8.500 Punkte ab, um sich – getragen von einer expansiven Geld- und Fiskalpolitik und mit zwischenzeitlichem Kursrücksetzer im Oktober wegen der zweiten Virus-Welle – bis zum Jahresende doch noch auf ein vorläufiges Allzeithoch bei 13.790 Punkten aufzuschwingen. Unter dem Strich stand für 2020 sogar eine leicht positive Performance.

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