Neue Versicherung zahlt bei Führerschein-Verlust

Versicherungen Panorama von Anne Mareile Walter

Für Autofahrer gibt es jetzt eine neue Versicherung: Wer seinen Führerschein wegen einer Ordnungswidrigkeit abgeben muss, kann sich künftig dagegen versichern. Verbraucherschützer sehen das Produkt kritisch.

Führerschein-Versicherung Bild: Adobe Stock/ronstik

Wer nach einer Alkoholfahrt seinen Führerschein verliert, kann sich künftig die Kosten für Taxi, Bus und Bahn erstatten lassen. Bild: Adobe Stock/ronstik

Die Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Autobahn missachtet, bei einer roten Ampel aufs Gas getreten, auf der Fahrt zur Arbeit mit dem Handy telefoniert: Wer seinen Führerschein abgeben muss, kann mitunter in finanzielle Schieflage geraten. Dies betrifft vor allem Berufskraftfahrer, Handelsvertreter, Kuriere und ähnliche Berufsgruppen, die auf ein eigenes Auto angewiesen sind. Die ias Internationale Assekuranz Service GmbH hat für solche Fälle jetzt eine neue Führerschein-Versicherung auf den Markt gebracht.

Bei einem temporären Fahrverbot sollen die Kosten für alternative Transport- und Beförderungsmittel getragen werden. Ias-Geschäftsführer Thomas Schrader über das neue Produkt: „Die Führerschein-Versicherung hat eine soziale Komponente, welche gerade in der aktuellen Pandemielage deutlich wird. Berufsfahrer sind stark gefordert und auf individuelle Mobilität angewiesen. Unser Produkt gibt eine Perspektive zur Überbrückung der führerscheinlosen Zeit.“ 

Leistungen nur bei Ordnungswidrigkeiten

Demnach sollen wirtschaftliche Alltags-Folgen für den Kunden abgemildert werden, indem Transportkosten für alternative Fortbewegungsmittel, wie Taxi, Bus und Bahn, bis zu einer Höhe von 10.000 Euro übernommen werden. Die Jahresprämie beläuft sich dabei auf 300 Euro. Damit der erzieherische Effekt des Führerscheinentzugs nicht geschmälert wird, kommt die neue Versicherung nicht für Bußgelder auf. Diese muss der Autofahrer weiterhin aus eigener Tasche bezahlen. Es werden nur wirtschaftliche Einbußen abgesichert, wenn der Kunde eine Ordnungswidrigkeit begangen hat.

Dazu zählen beispielsweise Geschwindigkeitsüberschreitungen, zu dichtes Auffahren, das Überfahren einer roten Ampel und Fahrten unter Alkoholeinfluss bis zu einem Promillewert von 1,09 Prozent. Vor allem der letzte Punkt dürfte für Kritik sorgen, könnte er doch zu einem sorgloseren Alkoholkonsum animieren. Der Versicherer bemüht sich allerdings klarzustellen, dass er nicht zu einer rücksichtslosen Fahrweise animieren will: Bei einer solchen gebe es keinen Versicherungsschutz, heißt es in der entsprechenden Presseerklärung. Demnach bekommen Versicherte kein Geld bei vorsätzlichem Drängeln oder Ausbremsen sowie Fahrten unter Einfluss von Drogen oder Alkohol ab einem Wert von 1,09 Promille. Auch Autofahrern, die bereits mehr als drei Punkte in Flensburg haben, wird der Versicherungsschutz verwehrt.

Wenig Zustimmung findet die neue Police bei Verbraucherschützern. Der Bund der Versicherten sieht die neue Führerschein-Versicherung mit großer Skepsis. „Eine solche Versicherung könnte bei uns gut der nächste ‚Versicherungskäse des Jahres‘ werden“, meint Pressesprecherin Bianca Boss. Versicherungen sollten gegen existenzielle Risiken absichern. Das sei hier aber nicht der Fall: „Wir raten dazu: Hände weg!“

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare