Neue Göker-Masche: Staatsanwaltschaft ermittelt

Florian Burghardt Panorama

Mehmet Göker versucht sich offenbar in der PKV-Tarifwechselberatung. Laut einem Medienbericht geschieht dies im Zusammenspiel mit einem Frankfurter Makler und falschen Versprechen. Die Staatsanwaltschaft ermittle bereits wegen Betrug.

Mehmet Göker (Bild von 2010) agiert mittlerweile von der Türkei aus. Mit seinem neuen „Konzept“ hat er aber offenbar erneut auf dem deutschen Markt einen Fuß in der Tür. Bild: picture alliance/dpa | Zucchi Uwe

Mehmet Göker (Bild von 2010) agiert mittlerweile von der Türkei aus. Mit seinem neuen „Konzept“ hat er aber offenbar erneut auf dem deutschen Markt einen Fuß in der Tür. Bild: picture alliance/dpa | Zucchi Uwe

Mehmet Göker ist offenbar wieder auf dem deutschen Versicherungsmarkt aktiv und hat sich dabei gezielt dem Tarifwechselthema in der privaten Krankenversicherung (§ 204 VVG) angenommen. Laut einem Bericht der Tagesschau bildet er „Verkäufer“ für die Beratung am Telefon aus. Dies geschehe telefonisch beziehungsweise per Video-Telefonie oder auch direkt von Gökers Aufenthaltsort in der Türkei aus, was kürzliche Posts auf Instagram belegen. In seinen Videos schwört der MEG-Gründer seine Zuschauer auf sein neues „Göker Konzept 2.0“ ein, spricht von fünfstelligen Monatsverdiensten und „keinerlei Stornohaftung“.

Möglich machen sollen das „Tarifoptimierungen“, genauer gesagt unternehmensinterne Wechsel der Krankenversicherungstarife und in der Folge Beitragsersparnis für die Versicherten. Konkret will Göker dafür PKV-Leads verkaufen. Seine „Verkäufer“ sollen dann nach erfolgreicher 204-Vermittlung Erfolgshonorare erhalten. Die Tagesschau bezieht sich in ihrem Bericht aber auf Aussagen von Insidern, die von keinen oder nur geringen Verdienstmöglichkeiten erzählen.

7.000 Euro PKV-Tarifwechsel-Honorar überwiesen

Konkrete Zahlen gebe es hingegen von einer Versicherten der Allianz-PKV. Vor einigen Monaten sei die 67-jährige Cornelia B. aus München von einem Mitarbeiter der Finanz Check Rhein-Main GmbH angerufen worden. Laut NDR-Recherchen wickelt Göker das Geschäft seines „Konzepts 2.0“ über diese Versicherungsmaklerfirma ab. Der Mitarbeiter des Maklers habe B. eine große monatliche Ersparnis beim Beitrag ihrer privaten Krankenvollversicherung versprochen. Kurz darauf wurde B. zudem von einem vermeintlichen Allianz-Mitarbeiter angerufen, der ihr das Angebot von Finanz Check Rhein-Main empfahl. Daraufhin habe die Frau 7.000 Euro als Honorar an die Firma überwiesen.

Diese wirbt auf ihrer Internetseite mit PKV-Tarifwechseln und plakativ mit einem älteren Ehepaar, das bare Münze ins Sparschwein steckt. In einem mit Rechtschreibfehlern gespickten „Über uns“ heißt es, dass Finanz Check Rhein-Main die Beitragsersparnis eines Jahres als Erfolgshonorar erhält – im Falle von B. offenbar 7.000 Euro, also knapp 600 Euro pro Monat. Doch laut dem Bericht sei der versprochene Tarifwechsel gar nicht möglich gewesen. Die Allianz habe zudem gegenüber Tagesschau und NDR bestätigt, dass man Frau B. weder angerufen noch den Tarifwechsel empfohlen habe. Ihr Geld soll Frau B. mittlerweile aber mithilfe einer Anwältin zurückerhalten haben.

Staatsanwaltschaft ermittelt bereits

„Man muss Omas und Opas über den Tisch ziehen. Und damit kann man nachts nicht schlafen“, wird ein ehemaliger Teilnehmer im Bericht der Tagesschau zitiert. Dem NDR sollen zudem Sprachaufnahmen Gökers vorliegen, in denen er seinen Schülern empfiehlt, sich am Telefon fälschlicherweise mit einem Doktortitel oder als Jurist vorzustellen.

Bei der Bundesnetzagentur mehren sich seit Jahren die Beschwerden über belästigende Telefonwerbung aus der Versicherungsbranche. Laut Tagesschaubericht sollen auch solche über Finanz Check Rhein-Main vorliegen. Zum konkreten Fall der Frau B. hatten sich sowohl das Maklerunternehmen als auch Göker selbst nicht äußern wollen. Weiter heißt es, dass bereits die Staatsanwaltschaft gegen fünf Beschuldigte in der Angelegenheit wegen Betrugsverdacht ermittelt.