Nachhaltige Investmentfonds: Wegen Erfolg geschlossen?

Investmentfonds Top News von Julia Groth

Immer wieder kommt es vor, dass Fonds vorübergehend für Neuanleger geschlossen werden. Zuletzt war das etwa bei einem Topseller von Nordea der Fall. Vermittler können betroffene Kunden aufklären, dass ein solcher Schritt dem Schutz ihrer Interessen dient.

Nachhaltige Investmentfonds Bild: Adobe Stock/Freedomz

Wenn das Fondsvolumen zu groß wird können Investmentgesellschaften die Ausgabe neuer Fondsanteile vorübergehend aussetzen. Bild: Adobe Stock/Freedomz

Grüne Investments sind gefragt, manchmal sogar etwas zu sehr. Nordea Asset Management hat Ende Februar einen Nachhaltigkeitsfonds für Neuanleger geschlossen, nachdem Investoren ihn geradezu überrannt hatten. Der Aktienfonds Nordea 1 – Global Climate and Environment ist bereits seit 13 Jahren auf dem Markt. Seine beiden Manager investieren in Unternehmen aus dem Bereich Umwelt- und Klimaschutz. Ihre Strategie findet offenbar immer mehr Fans: Gegenüber dem Vorjahr hat der Fonds sein Volumen zuletzt mehr als verdoppelt. Auf Sicht von zwei Jahren stieg das verwaltete Vermögen um satte 500 Prozent. Ende Januar dieses Jahres war der Fonds mehr als sechs Milliarden Euro schwer. Nun können Anleger auf unbestimmte Zeit keine neuen Anteile mehr zeichnen. „Die Interessen unserer Kunden zu schützen bleibt für uns oberste Priorität“, betonen die Fondsmanager Thomas Sørensen und Henning Padberg.

Soft-Closings wie bei dem Nordea-Fonds können für Finanzvermittler zum Ärgernis werden. Nicht jeder Kunde hat Verständnis dafür, dass er in den einen oder anderen Fonds vorübergehend nicht investieren kann – vor allem, wenn es sich dabei um bekannte und beliebte Produkte handelt, die Anleger aktiv nachfragen. Letztlich dienen Soft-Closings aber dem Schutz der Investoren. Diesen Aspekt sollten Vermittler in den Vordergrund stellen, wenn Kunden enttäuscht sind, weil es bei einem Fonds heißt: geschlossene Gesellschaft.

Warum machen Fondsanbieter das?

Investmentgesellschaften können die Ausgabe neuer Fondsanteile vorübergehend aussetzen, wenn das Fondsvolumen zu groß wird. Das kann vor allem bei Produkten vorkommen, deren Manager in Nebenwerte investieren oder in kleinen, illiquiden Märkten unterwegs sind. Ihnen kommt ein großer Publikumserfolg nicht unbedingt entgegen: Investieren sie neue Mittel gemäß ihrer Strategie, kann es passieren, dass der Fonds zu einer solchen Marktmacht wird, dass er selbst massiv die Kurse bewegt – was Fondsprofis gern vermeiden wollen. Greifen Manager zu Aktien oder Schuldtiteln größerer Unternehmen oder zu Wertpapieren aus liquideren Märkten, um das zu vermeiden, laufen sie Gefahr, ihre Strategie zu verwässern. Wenn die Fondsmanager frisches Geld wiederum nicht gewinnbringend investieren können, sondern es im Geldmarkt parken müssen, belastet das die Wertentwicklung des Fonds. Deshalb ist für Vermittler Vorsicht geboten, sobald das Fondsvolumen nicht mehr zur Strategie oder zum Anlageuniversum eines Fonds passt. Der Fonds könnte bald vorübergehend geschlossen werden.

Was bedeutet das für Anleger?

Wer bereits in einem Fonds investiert ist, der einem Soft-Closing unterzogen wird, hat nichts zu befürchten. Im Gegenteil: Der Anbieter will mit diesem Schritt die Interessen der Bestandskunden wahren. Anteilseigner können in der Regel weiterhin Fondsanteile umtauschen und zurückgeben. Sie dürfen oft sogar neue Anteile zeichnen – mitunter aber nur bis zu einer festgelegten Obergrenze. Auch Sparpläne laufen üblicherweise ohne Beeinträchtigung weiter.

Anleger, die neu in einen betroffenen Fonds investieren wollen, müssen dagegen warten. Sie können während der Dauer des Soft-Closings keine Anteile zeichnen oder tauschen. Letztlich ist diese Regelung auch in ihrem Interesse. Eine Morningstar-Studie zeigt: Fonds, die zu ihren Hochzeiten dem breiten Markt davoneilen, hinken meist deutlich hinterher, nachdem sie zu Bestsellern avanciert sind. Prominente Beispiele dafür sind unter anderem der Templeton Global Bond, der Carmignac Patrimoine und der Fidelity European Growth.

Wie geht es nach der Schließung weiter?

Ist das Soft-Closing beendet, können Neuanleger wieder Anteile zeichnen. Manche Investmentgesellschaften gehen davon aus, dass die Anleger-Karawane unterdessen weitergezogen ist. Andere nutzen die Atempause, um die Strategie des betroffenen Fonds an höhere Volumina anzupassen. Manchmal legen Fondsanbieter auch eine Doublette ihres Topsellers auf, die sich nur in Details vom Original unterscheidet, und entzerren so die Mittelzuflüsse. Die Kölner Investmentboutique Flossbach von Storch hat vor einigen Jahren die Anlagestrategie ihres beliebten Fonds FvS Multiple Opportunities in eine zweite Fondshülle gegossen, minus die physische Edelmetall-Position des Originals – diese Anlageklasse wird beim FvS Multiple Opportunities II über Derivate abgebildet. Anlass waren in diesem Fall allerdings weniger die Mittelzuflüsse als die UCITS-Vorgaben bezüglich Gold. In jedem Fall ist Vorsicht angebracht, wenn ein vorübergehend geschlossener Fonds wieder öffnet. Das Problem des zu großen Vermögens ist nicht unbedingt aus der Welt geschafft.

Können ETFs ebenfalls dichtmachen?

Anders als bei herkömmlichen Fonds können Anbieter die Ausgabe neuer Anteile bei ETFs nicht aussetzen. Das liegt daran, dass ETFs börsengehandelt sind und neue Anteile im Zuge eines Creation-Prozesses unter Beteiligung von Market Makern geschaffen werden statt lediglich vom Anbieter selbst. Diese Besonderheit ist ein maßgeblicher Nachteil der ETF-Hülle, die dank ihrer Liquidität und Transparenz sonst als vorteilhaft gilt. Das zeigt sich momentan deutlich bei den Ark-ETFs der renommierten US-Investorin Cathie Wood.

Die Chefin von Ark Investment Management verfolgt mit ihren Fonds aktive Strategien, verpackt in eine ETF-Hülle. Sie baut also keine Indizes nach, sondern nimmt eine aktive Titelselektion vor. Schließlich taucht in dem Begriff „Exchange-Traded Fund” das Wort „Index” nicht auf. Aktive ETFs sind in den Vereinigten Staaten geläufige Produkte und Umfragen zufolge auch in Europa auf dem Vormarsch. Wood konzentriert sich auf Nebenwerte, vor allem aus den Bereichen Technologie und Gesundheit. Weil sie zuletzt eine fantastische Wertentwicklung erzielte, ist das verwaltete Vermögen in ihren Fonds rasant gestiegen. Allein ihr Flaggschifffonds, der Ark Innovation ETF, ist inzwischen mehr als 19 Milliarden US-Dollar schwer.

Die Folge: Woods Firma hält mittlerweile teils zweistellige Prozentsätze an kleinen Unternehmen und bewegt so selbst die Kurse. Bei einem klassischen Fonds wäre spätestens jetzt ein Soft-Closing fällig. Weil das bei ETFs aber nicht geht, wird die Marktmacht der Ark-Fonds allmählich zum Risiko, und das nicht nur für Woods eigene Kunden. „Natürlich freut es Anleger, wenn sich der Wal im Small-Cap-Teich in die Richtung wälzt, die die Kurse ihrer Favoriten nach oben spült. Aber das Spiel funktioniert auch andersherum“, warnt Morningstar-Experte Ali Masarwah. „Verkauft Ark solche marktengen Titel, dann können die Kurse von Portfolios weltweit in die Knie gehen.“