Multi-Asset-ETFs: Mehrwert oder Mogelpackung?

Investmentfonds Top News von Christopher Nachtweh

Gleiches gilt für die neuen Multi-Asset-ETFs von Vanguard, wobei sich das Haus auf Aktien und Anleihen beschränkt. Im Vordergrund steht die strategische Asset Allokation, die auf unterschiedliche Rendite-Risiko-Vorstellungen zugeschnitten ist und in regelmäßigen Abständen wiederhergestellt wird. Die US-Fondsgesellschaft bietet ihre LifeStategy-Reihe mit Aktienquoten von 20, 40, 60 und 80 Prozent an, der mehr oder minder große Rest ist in Anleihen investiert. 7 bis 13 ETFs landen im Dachfonds-Portfolio. Den Kern bilden jeweils ein globaler Aktien- und Renten-ETF, ergänzt je nach Variante um Staatsanleihen aus der Eurozone, den USA und Großbritannien, Unternehmensanleihen und Aktien-ETFs mit Ausrichtung auf die Schwellenländer, Nordamerika, Asien ex-Japan und Japan.

Blackrock hingegen verzichtet in den drei Multi-Asset-Portfolios auf ETFs mit globaler Ausrichtung und verknüpft den Ansatz stattdessen mit einem weiteren Megatrend der Investmentbranche: Wo immer möglich, mindestens aber zu 80 Prozent, kommen ESG-Produkte zum Einsatz, die bestimmte Kriterien hinsichtlich Umwelt, sozialer Aspekte sowie die Unternehmensführung (Environment, Social, Governance, ESG) betreffend erfüllen. Auswahl und Gewichtung der jeweils 15 Ziel-ETFs erfolgen ausgehend von einer strategischen Asset Allokation auf Basis einer vergleichsweise komplexen Risikoanalyse. Turnusgemäß werden die Gewichtungen vierteljährlich überprüft, zwischenzeitliche dynamische Anpassungen an die Marktlage sind möglich.

Beide ETF-Riesen verzichten auf eine Beimischung weiterer Anlageklassen. Für ein Basisportfolio mag das ausreichend sein. Denn Vergleiche zeigen immer wieder, dass einfache gemischte Portfolios mittel- bis langfristig zu guten Ergebnissen führen können. Auch bedarf es nicht zwangsläufig aktiver Allokationsentscheidungen.

„Wer sich um nichts kümmern und sich auch nicht von den Geschicken eines Managers abhängig machen möchte, kann mit einem statischen Portfolio-ETF gut fahren. Zwar wird man nie zu den Besten zählen, aber aller Voraussicht nach einen fairen Anteil an der Entwicklung der Kapitalmärkte erzielen.“ Thorsten Pörschmann von der Analysegesellschaft Drescher & Cie

Dass das mit unterschiedlichen Multi-Asset-ETF-Ansätzen grundsätzlich möglich ist, zeigen die Produkte von DB Xtrackers und Lyxor: Die ausgewogenen Varianten schneiden über ein und drei Jahre nicht nur besser ab als der Durchschnitt der Morningstar-Kategorie Mischfonds Euro ausgewogen global, sie schlagen auch beispielsweise die Top-Seller Flossbach von Storch Mutliple Opportunities und DJE Zins & Dividende – wenn auch mit etwas höheren Schwankungen.

Am Ende bleibt es eine Frage des Geschmacks und des Gebührenmodells, ob ein aktiver vermögensverwaltender Fonds, ein dynamischer oder ein eher statischer Multi-Asset-ETF die geeignetere Lösung für ein Basisinvestment darstellt. Sicher erscheint angesichts des positiven Images von ETFs, das Presse und Finanzportale vermitteln, und der Empfehlungen von Verbraucherschützern, dass Anleger verstärkt ETF-Lösungen nachfragen werden. Unsicher ist hingegen, ob sie bereit sein werden, entsprechende Beratungs- und Vermittlungsleistungen separat zu honorieren, wie es Vanguard vorschwebt.

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