Multi-Asset-ETFs: Mehrwert oder Mogelpackung?

Investmentfonds Top News von Christopher Nachtweh

Mit Blackrock und Vanguard haben die beiden weltgrößten ETF-Anbieter jüngst Multi-Asset-Produkte in Deutschland lanciert. Was die Fonds leisten und was nicht – und warum Vermittler die versprochenen Vorteile hinterfragen sollten.

Weiterhin setzen viele Anleger auf Produkte, die das Vermögen über verschiedene Anlageklassen verteilen. Bild: Adobe Stock/ Nuthawhut

Weiterhin setzen viele Anleger auf Produkte, die das Vermögen über verschiedene Anlageklassen verteilen. Bild: Adobe Stock/ Nuthawhut

Mischen bleibt in Mode. Keine andere Fondsgattung verzeichnet so konstant Zuflüsse wie Mischfonds. Die Produkte, in ihrer modernen Variante auch als Multi-Asset-Fonds unterwegs, verwalten heute zehnmal so viel Kapital wie vor 20 Jahren. Zum Vergleich: Das in Aktienfonds angelegte Volumen hat sich im selben Zeitraum gerade einmal verdoppelt, wie aus der Statistik des Fondsverbands BVI hervorgeht (siehe Grafik).

Auch wenn der Zuspruch im abgelaufenen Jahr erstmals seit 2012 geringer ausfiel als der zu Aktienfonds: Offensichtlich setzt weiterhin eine sehr große Zahl von Anlegern auf die Produkte, die das Vermögen über verschiedene Anlageklassen verteilen.

Nur konsequent erscheint da, dass auch die ebenfalls mit zunehmendem Zuspruch bedachte ETF-Branche das Thema Multi-Asset verstärkt in den Blick nimmt. Nach DB Xtrackers und Lyxor bieten nun auch die beiden weltweit größten ETF-Anbieter Blackrock beziehungsweise iShares und Vanguard Multi-Asset-ETFs in Deutschland an. Statt bloßer Bausteine, mit denen Selbstentscheider, Robo-Advisors, Fondsmanager und entsprechend aufgestellte Berater das Portfolio bestücken, wollen sie damit nun selbst bequeme Komplettlösungen für eine einfache Vermögensverwaltung offerieren.

Dafür kombinieren beide Häuser eine Reihe konzerneigener ETFs zu gemischten Portfolios mit unterschiedlichen Risikoprofilen. Drei sind es bei Blackrock, vier bei Vanguard. Beide Anbieter treten dabei mit den branchenüblichen Versprechen an: breite Streuung, hohe Transparenz und geringe Kosten. So liegt die Gesamtkostenquote bei beiden Gesellschaften bei gerade 0,25 Prozent.

Bekanntes Konzept

Nun ist das Konzept, verschiedene ETFs in einer Fondslösung zu bündeln, keineswegs neu. „Die Idee war einfach: ein vermögensverwaltender Fonds, bei dem die flexible Steuerung der Assetquoten im Mittelpunkt steht“, sagt Markus Kaiser, der bereits 2007 mit dem ersten ETF-Dachfonds gestartet ist, seinerzeit für die Fondsgesellschaft Veritas. „Berater und Privatanleger erhalten so einen einfachen Zugang zu ETFs“, so der Leiter der neu gegründeten ETF-Sparte des Freiburger Vermögensverwalters Greiff Capital, der weiterhin einige Dachfonds und Mandate betreut.

Gut ein Jahr später folgte die ETF-Tochter der Deutschen Bank mit dem DB Xtrackers Portfolio ETF, der ein dynamisch gemanagtes ETF-Portfolio wiederum in einen ETF verpackt. Einen statischeren Ansatz verfolgen die ursprünglich bei der Commerzbank-Tochter Comstage aufgelegten Multi-Asset-ETFs, die seit der Übernahme durch den französischen ETF-Spezialisten als Lyxor Strategy ETFs geführt werden. Neben der Streuung über unterschiedliche ETFs für die Anlageklassen Aktien, Anleihen und Rohstoffe ist die regelmäßige Wiederherstellung der Ausgangsgewichtungen wichtiges Merkmal.

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