LV-Standmitteilungen: Transparenz lässt zu wünschen übrig

Detlef Pohl Berater Versicherungen Top News

Kunden alter Rentenpolicen müssen sich mit geringeren Leistungen begnügen als geplant, da in den letzten Jahren kaum noch Überschüsse über die Garantie hinaus hinzukommen. Doch die Standmitteilungen sind weiter intransparent, wie ein Beispiel zeigt.

Man erkennt in Standmitteilungen der Lebensversicherer nicht immer auf Anhieb, wie viel Geld im Alter zufließt. Bild: Pixabay/Wilfried Pohnke

Die Werte in Standmitteilungen der Lebensversicherer werden häufig missverstanden. Man erkennt nicht immer auf Anhieb, wie viel Geld im Alter zufließt. Bild: Pixabay/Wilfried Pohnke

Finanzanalytiker Volker Looman forderte in seiner wöchentlichen FAZ-Kolumne kürzlich dazu auf, alte Kapitalversicherungen hervorzukramen und zu überschlagen, ob die Transaktion noch lohnt oder angesichts der Niedrigzinsen inzwischen zu einem Verlustgeschäft geworden ist. Dazu sollte der Rückkaufswert in der Standmitteilung von vor fünf Jahren mit den Einzahlungen des Folgejahres verglichen und auf diese Weise bis zum Jahr 2020 die Verzinsung der letzten 60 Monate zu errechnen.

„Sollte eine Drei oder Vier vor dem Komma stehen, sind die Ergebnisse in Ordnung“, meint Looman. „Doch die meisten werden lange Gesichter ziehen, da nur eine Eins oder Zwei vor dem Komma steht“, fürchtet der Finanzanalytiker. Dann wäre die Beitragsfreistellung eine Option - samt einer alternativen Anlage des freiwerdenden Kapitals, etwa in Aktien. Allerdings gehen dann bei Vertragsbeginn vor 2005 auch die Steuervorteile der Police unwiederbringlich verloren.

Ein gut dotierter Beispielfall der Presseversorgung

Macht man sich als Berater Loomans Ansatz zunutze und überprüft, ob die ursprünglich angemessene Altersvorsorge kurz vor Toresschluss noch angemessen ist, kann man in Sachen Intransparenz scheitern. Beispiel Presseversorgung: Ein Kunde (64) steht ein Jahr vor der Auszahlung. Seit 29 Jahren zahlt er umgerechnet knapp 248 Euro monatlich in die private Kapital-Lebensversicherung samt BUZ-Schutz ein. 1993 waren ihm 78.417 Euro garantiert (Rechnungszins: 3,5 Prozent) und unverbindlich gut 200.000 Euro Ablaufleistung in Aussicht gestellt worden.

Dass die Prognose angesichts seit 15 Jahren andauernder Niedrigzinsen nicht mehr aufgeht, leuchtet dem Berater ein. Insofern ist die voraussichtliche Ablaufleistung laut der letzten Standmitteilung auf 121.000 Euro geschrumpft. Das ist nicht die Schuld des Versicherer-Konsortiums der Presseversorgung, sondern der Finanzpolitik der EU-Länder und folglich der EZB, die Altersvorsorgesparer systematisch benachteiligen.

Kein Rückkaufswert in der Standmitteilung genannt

Dennoch ist die Standmitteilung in mancherlei Hinsicht überraschend. Trotz zahlreicher Zahlen wird überhaupt kein Rückkaufswert ausgewiesen und somit Loomans Rechenvorschlag unmöglich gemacht. Verwirrend wird von einem „erreichten garantierten Kapital bei Ablauf“ gesprochen. Berater und Kunde interpretieren dies zunächst als Rückkaufswert und kommen so auf eine negative Verzinsung in den letzten fünf Jahren.

Die Aufregung ist groß, doch das Versorgungswerks der Presse stellt schriftlich klar: „Das angegebene Garantiekapital ist nicht der Rückkaufswert, sondern die Summe aus einer Reserve, die zur Erfüllbarkeit der 3,5 Prozent Verzinsung gebildet wird, und der vereinbarten Beiträge, zum Ende der Versicherungsdauer.“ Weiterer Wertzuwachs könne nur zustande kommen, wenn mehr als 3,5 Prozent Überschüsse erwirtschaftet werden.

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