Immer mehr Arbeitnehmer fühlen sich ausgebrannt

Martin Thaler Berater

Mehr als jeder dritte Arbeitnehmer fühlte sich zuletzt stark belastet. Gerade die Arbeit im Home-Office könnte diesen Trend noch einmal verschärfen.

Immer mehr Menschen fühlen sich ausgebrannt Bild: Pixabay/geralt

Die Zahl der Menschen, die sich ausgebrannt fühlen, hat zuletzt stark zugelegt. Bild: Pixabay/geralt

Die Corona-Krise bringt immer mehr Arbeitnehmer an ihre Belastungsgrenze: Laut einer neuen Erhebung des Beratungsunternehmens Gallup fühlt sich mittlerweile mehr als ein Drittel (35 Prozent) der insgesamt 1.000 befragten Arbeitnehmer „innerlich ausgebrannt“ – das sind deutlich mehr als in den Vorjahren, in denen rund ein Viertel (26 Prozent) ein solches Gefühl angab. Laut Gallup-Experte Marco Nink sei die Burnout-Gefahr deutlich gestiegen.  

Dass viele Mitarbeiter mittlerweile im Home-Office arbeiten, scheint den empfundenen Stress der Arbeitnehmer offenbar wenig reduziert zu haben. Grund hierfür könnte das Verschwimmen von Arbeit und Freizeit sein: Viele Arbeitnehmer haben im Home-Office das Gefühl, ständig erreichbar sein zu müssen, so dass Phasen der Erholung und der Ablenkung zu kurz kommen.  

Gerade im Home-Office können sogar erste Symptome für die Entwicklung eines Burnouts übersehen werden, mahnt der Wiener Psychotherapeut Gerald Käfer-Schmid in der Tageszeitung „Der Standard“. Isoliert im eigenen Haus fehle der Kontakt zu den Kollegen, die mögliche erste Symptome, wie die Reduzierung sozialer Kontakte, nicht bemerken und den Betroffenen darauf hinweisen könnten. Auch Vorgesetzten falle es schwer, mögliche Probleme frühzeitig zu erkennen, wenn der direkte Austausch fehle. Werden diese Warnsignale der Überlastung jedoch nicht frühzeitig erkannt, droht eine Chronifizierung der Symptome.  

Starke Zunahme bei Fehlzeiten

Die Ergebnisse der Gallup-Studie werden auch durch weitere Zahlen gestützt: Laut der Krankenkasse DAK-Gesundheit hatten sich die Fehlzeiten wegen Depressionen, Angst und anderen Belastungsstörungen gegenüber 2018 verdreifacht und einen neuen Rekordstand erreicht.  

Auch bei der Debeka, Deutschlands größtem privaten Krankenversicherer, spürt man die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Psyche. Vor allem im zweiten Halbjahr 2020 gingen teils deutlich mehr Rechnungen für Therapien gegen psychische Leiden beim Koblenzer Versicherer ein.  

Bereits ohne die Auswirkungen der Corona-Krise auf das psychische Gleichgewicht ist die Psyche der häufigste Grund für eine Berufsunfähigkeit. Laut Zahlen des Versichererverbands GDV geht knapp jeder dritte Fall (29 Prozent) von Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit auf psychische Leiden zurück.