Grüne wollen Finanzberatung „vom Kopf auf die Füße stellen“

Martin Thaler Berater Versicherungen Top News Meistgeklickt

Altersvorsorge: Grundsätzlich sprechen sich die Grünen für kapitalgedeckte Altersvorsorge zusätzlich zur gesetzlichen Rente aus – allerdings nicht in Form der Riester-Rente. Diese bezeichnen die Grünen in ihrem Programm als völligen Fehlschlag. „Die Produkte sind teuer und undurchschaubar und haben zum Teil eine geringere Rendite als Omas Sparstrumpf. Profitabel sind sie oft nur für die Versicherungswirtschaft oder dank der öffentlichen Förderung“, heißt es im Programmentwurf.  

Statt die Riester-Rente zu reformieren soll sie in einen staatlichen Bürgerfonds überführt werden – ein entsprechendes Konzept hatte die Partei bereits 2019 präsentiert. Hier behält der Staat einen Teil des Bruttolohns jedes Arbeitnehmers ein und investiert diesen unter anderem in Aktien. Durch eine Opt-out-Regel werde ein Volumen sichergestellt, das die Verwaltungs-kosten gering hält, „die Risiken breit streut und auf teure Garantien verzichten kann“.

Arbeitgeber sollen zudem verpflichtet werden, in Zukunft eine betriebliche Altersversorgung anzubieten, können den Bürgerfonds hierfür aber nutzen.  

Finanzberatung: Umfangreiche Änderungen planen die Grünen beim Thema Finanzberatung. Diese soll vom Kopf auf die Füße gestellt werden, da sie nach Ansicht der Partei die Kunden nicht sachgerecht berate. „Häufig werden Kund*innen Finanzprodukte angedreht, die für sie zu teuer, zu riskant oder schlicht ungeeignet sind. Diese Produkte sind häufig gut für die Gewinne der Banken und Versicherungen, aber schlecht für die Kund*innen“, heißt es entsprechend im Entwurf.  

Um das zu gewährleisten spricht sich die Partei für eine schrittweise Abkehr von der Provisions- und einem Übergang zur Honorarberatung aus. Man wolle ein einheitliches Berufsbild für Finanzberater schaffen, die darüber hinaus allesamt von der BaFin beaufsichtigt werden sollen. Diese soll zudem von ihrem Recht, schädliche und irreführende Finanzprodukte zu untersagen, stärker Gebrauch machen.

Noch handelt es sich jedoch erst einmal nur um einen Entwurf des Parteiprogramms. Bis zum Juni, wenn ein Parteitag über die finale Version entscheidet, kann es noch zu Änderungen im Programm kommen.

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