Grüne wollen Finanzberatung „vom Kopf auf die Füße stellen“

Martin Thaler Berater Versicherungen Top News Meistgeklickt

Als zweite Partei haben die Grünen einen Programmentwurf für die kommende Bundestagswahl vorgestellt. Die Riester-Rente bezeichnet die Partei als völligen Fehlschlag, beim Thema Finanzberatung plädiert sie für umfangreiche Änderungen. Die Details.

Robert Habeck und Annalena Baerbock Bild: picture alliance

Die Parteivorsitzenden der Grünen Robert Habeck und Annalena Baerbock stellten am Freitag den Entwurf für das Wahlprogramm zur kommenden Bundestagswahl vor. Bild: picture alliance

Die Grünen befinden sich momentan im Aufwind: Bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg baute die Partei am vergangenen Wochenende ihr Ergebnis weiter aus und wird mit Winfried Kretschmann aller Voraussicht nach auch in den kommenden Jahren den Ministerpräsidenten im Südwesten der Republik stellen. Bundesweit legten die Grünen laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa um drei Prozent zu und würden demnach bei der kommenden Bundestagswahl auf 21 Prozent aller Stimmen kommen.  

Umso gespannter war allgemein auf die Präsentation des Wahlprogramms gewartet worden – ihren Entwurf für die Zukunft stellten die Parteivorsitzenden Robert Habeck und Annalena Baerbock an diesem Freitag nun vor. Mit insgesamt 136 Seiten ist der Programmentwurf deutlich länger als der der SPD, die ihr Wahlprogramm bereits Anfang März vorgestellt hatte.  

Für Makler sind dabei die folgenden Punkte wohl am interessantesten:  

Bürgerversicherung: Wie auch bereits die Sozialdemokraten sprechen sich die Grünen für die Einführung einer Bürgerversicherung aus. Als Gründe hierfür geben sie an, dass viele gesetzlich Versicherte länger als Privatpatienten auf Termine bei Fachärzten warten müssten sowie die Tatsache, dass viele privat Versicherte sich die Prämien in der PKV nicht mehr leisten könnten.  

„Die Bürgerversicherung bezieht alle in die Finanzierung eines leistungsstarken Versicherungssystems ein. Auch Beamte, Selbstständige, Unternehmer*innen und Abgeordnete beteiligen sich mit einkommensabhängigen Beiträgen“, heißt es im Programmentwurf. Als Einkommen sollen dabei nicht nur Löhne und Gehälter zählen, Beiträge sollen auch auf Kapitaleinkommen erhoben werden.  

Als ersten Schritt plane man, die Versorgung gesetzlich Versicherter zu stärken – beispielsweise bei der Erstattung von Brillen.  

Rente: Bei der gesetzlichen Rente plant die Partei, das durchschnittliche Rentenniveau nicht unter die Marke von 48 Prozent sinken zu lassen. „Bei einem weiteren Absinken wären immer mehr Menschen auf Grundrente angewiesen und die Akzeptanz der gesetzlichen Rente wäre gefährdet“, lautet die Befürchtung.

Um das Rentenniveau zu sichern, will die Partei die Einnahmenseite ausbauen, beispielsweise durch eine Stärkung der Frauenerwerbstätigkeit, ein neues Einwanderungsgesetz und höhere Löhne. Auch bei der Rente sprechen sich die Grünen für eine Bürgerversicherung aus, in die auch anderweitig nicht abgesicherte Selbstständige und Abgeordnete einzahlen sollen.  

Die in dieser Legislaturperiode eingeführte Grundrente soll in eine Garantierente umgewandelt werden, an der Rente mit 67 halte man grundsätzlich fest. Allerdings wolle man es den Menschen einfacher machen, selbst entscheiden zu können, wann sie in Rente gehen.  

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