Gamestop: So tickt die Zocker-Generation

Investmentfonds von Mariam Misakian

Mit dem Hype um die Gamestop-Aktie ist eine Generation Anleger in den Fokus gerückt, die wenig Ahnung hat, aber viel riskiert. Was die jungen Trader ausmacht und wie Berater sie erreichen können.

Millionen verabredeten sich über das Online-Forum Reddit zum Aktienkauf und trieben den Kurs der Gamestop-Aktie in spektakuläre Höhen. Bild: Adobe Stock/Rustam Kholov

Millionen verabredeten sich über das Online-Forum Reddit zum Aktienkauf und trieben den Kurs der Gamestop-Aktie in spektakuläre Höhen. Bild: Adobe Stock/Rustam Kholov

„Fomo Buy“, „Diamond Hands“ oder „WSB YOLO“: Für Nicht-Eingeweihte klingen diese Begriffe vermutlich wie die Namen eines angesagten Nachtclubs in Berlin-Friedrichshain. Aber weit gefehlt: Nutzer des Reddit-Forums r/wallstreetbets beschreiben damit ihre Anlagestrategie. „Fomo“ steht für „Fear of Missing Out“. Von einem „Fomo Buy” ist also die Rede, wenn Anleger eine Aktie kaufen, weil sie befürchten sonst eine Börsenrally zu verpassen. „Diamond Hands“ heißt, dass sie ein Wertpapier so lange halten werden, bis es Gewinne abwirft. Und mit „WSB YOLO“ sagt der Autor, dass er sein gesamtes Geld auf ein Unternehmen setzt, schließlich lebe man ja nur einmal.

Die Trader, die sich auf der Social-Media-Plattform austauschen, haben nicht nur eine eigene Sprache entwickelt. Sie legen auch ein Anlageverhalten an den Tag, das Börsenexperten nur als verrückt bezeichnen können. Unternehmensbilanzen und Prognosen spielen keine Rolle, stattdessen entscheiden Trends in sozialen Netzwerken darüber, in welche Wertpapiere sie ihr Geld investieren. Der Hype um die Gamestop-Aktie machte die Wallstreetbets-Trader Anfang des Jahres weltberühmt. Millionen verabredeten sich über das Forum zum Aktienkauf und trieben den Kurs der Gamestop-Aktie in spektakuläre Höhen.

Für Finanzberater ist diese neue Generation risikoaffiner Investoren auf den ersten Blick schwer zu fassen. Dennoch steckt in ihr jede Menge Potenzial: Offenbar hat eine neue Anlegergruppe ihre Liebe zum Wertpapierhandel entdeckt – im Sparerland Deutschland alles andere als selbstverständlich. Und der Zeitpunkt, junge Anleger als Kunden zu gewinnen, könnte nicht besser sein. Der Gamestop-Fall hat weite Kreise gezogen und dürfte auch die Neugier derer geweckt haben, die sich bislang kaum mit Aktien befasst haben.

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Wer die jungen Trader als Kunden gewinnen will, muss zuerst verstehen, um wen es sich da eigentlich handelt. Anhaltspunkte liefert der Blick auf die Nutzerstruktur von Trading-Apps wie Robinhood. Der US-Broker bietet Wertpapierhandel ohne Ordergebühren und war bei der Gamestop-Armada besonders beliebt. Von den rund 13 Millionen Robinhood-Nutzern sind 40 Prozent zwischen 19 und 34 Jahre alt, fallen also in die Generationen Z und Y. „Apps wie Robinhood sind leicht zu bedienen und damit für Laien besonders attraktiv“, sagt Markus Richert, Seniorberater bei der Vermögensverwaltung Portfolio Concept. „Mit nur wenigen Klicks kann jeder ein Depot eröffnen – bequem zu Hause vom Smartphone aus, ohne Beratung und ohne verstehen zu müssen, was eine Aktie überhaupt ist.“  

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