Fußball ins Gesicht – wer haftet?

Anne Mareile Walter Berater Recht & Haftung

Ein strammer Schuss ins Gesicht kann eine sehr schmerzhafte Angelegenheit sein. Nur: Muss man dieses Risiko in Kauf nehmen, wenn man sich neben einem Fußballplatz befindet? Nicht unbedingt, wie nun ein Urteil des OLG Oldenburg zeigt.

Hallenfußball Bild: Adobe Stock/mazolafoto

Während eine Frau im Bereich des Fußballtores auf ihre Tochter wartete, wurde sie von einem Ball im Gesicht getroffen. Vor Gericht reichte sie Klage ein. Bild: Adobe Stock/mazolafoto

Wegen eines Fußballtreffers ins Gesicht beim Aufwärmtraining befasste sich das OLG Oldenburg (Az: 1 U 66/20) mit der Klage einer Frau. Sie hatte auf Schmerzensgeld und Schadensersatz geklagt und bekam teilweise recht. Der Senat entschied in dem Verfahren ausschließlich über die Haftungsquoten, über die genaue Höhe der klägerischen Ansprüche besteht noch weiter Aufklärungsbedarf.

Die Klägerin hatte an einem Nachmittag im Januar ihre Tochter vom Fußballtraining abholen wollen. Zu dem Zeitpunkt war das Training der Kindermannschaft bereits beendet, im Anschluss sollte die Altherrenmannschaft das Feld in der Halle übernehmen. Die Spieler hatten bereits mit dem Aufwärmen begonnen, als die Klägerin im Bereich des Fußballtores auf ihre Tochter wartete. Der Beklagte, ein Mitglied der Altherrenmannschaft, schoss währenddessen Richtung Tor und traf die Klägerin ins Gesicht.

In einem ersten Verfahren wies das Landgericht Oldenburg die Klage der Frau ab, mit der Begründung: Im Rahmen des Hallensports – auch beim Aufwärmen – sei es nicht zu vermeiden, dass Bälle auch einmal fehlgingen. Die Klägerin hätte erkennen können, dass die Altherrenmannschaft bereits mit dem Spiel begonnen habe und dass ihr Aufenthalt am Tor daher gefährlich war. Gegen dieses Urteil ging die Frau in Berufung und bekam vom OLG Oldenburg teilweise recht.

Der Spieler handelte fahrlässig und die Frau trage Mitschuld

Eine Haftungsquote von 70 zu 30 Prozent zu Gunsten der Klägerin sei in diesem Fall gerechtfertigt, begründete das OLG sein Urteil. Die Beweisaufnahme habe ergeben, dass die Frau von einem, mit einiger Kraft ausgeführten Schuss und nicht – wie vom beklagten Fußballer behauptet – einem Lupfer getroffen und hierdurch erheblich verletzt wurde. Der Spieler habe somit fahrlässig gehandelt und den Rahmen eines erlaubten Risikos verlassen, befand das Gericht. Da das eigentliche Training noch nicht begonnen habe, hätte der Beklagte auf die anwesenden Personen in der Halle Rücksicht nehmen müssen. Der Klägerin sei jedoch ein Mitverschulden von 30 Prozent zuzurechnen. Sie habe die Sorgfalt außer Acht gelassen, die ein verständiger Mensch aufwenden müsse, um eigenen Schaden zu vermeiden. Es sei nicht notwendig gewesen, sich ausgerechnet in der Nähe des Tores aufzuhalten.

Über die Höhe des Schadensersatzes muss nun das Landgericht Oldenburg befinden.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare