Die Haftpflichtversicherung und die verhängnisvolle Pinkelpause

Martin Thaler Berater Recht & Haftung

Ein Autofahrer hatte für seine Notdurft unbemerkt Privatgrund betreten und neben einem Bagger geparkt. Dieser war jedoch in Betrieb und verwandelte den italienischen Sportwagen per Schwenkbewegung in einen Haufen Schrott. Vor Gericht ging es nun um die Schuldfrage.

Zusammenstoß zwischen Bagger und Cabrio Bild: Pixabay/PIRO4D

Bagger gegen Cabriolet - dieser Zusammenstoß kannte einen klaren Verlierer. Bild: Pixabay/PIRO4D

Wer unterwegs seine Notdurft nicht mehr zurückhalten kann, sollte auf dem Weg zum „Wasserlassen“ genau aufpassen, wo er sein Auto parkt – sonst kann die Pinkelpause unter Umständen teuer werden, wie ein Urteil des Landgericht Nürnberg-Fürth zeigt (Az: 8 O 6187/20).

Der Fall

Auf der Fahrt durch das bayerische Neumarkt entschied sich ein Autofahrer dazu, eine Pinkelpause einzulegen und lenkte seinen Alfa Romeo auf ein Grundstück. Dass es dabei um Privatgrund handelte, erkannte er nicht.

Direkt neben einem Bagger meinte der Autofahrer den perfekten Platz für seine Notdurft gefunden zu haben. Allerdings fiel ihm nicht auf, dass sich jemand im Bagger befand – als der Wagen neben dem Bagger zum Stehen gekommen war, drehte sich die Baggerschaufel und traf den italienischen Sportwagen. Ergebnis: Totalschaden.

Diesen wollte der Autofahrer von der Haftpflichtversicherung des Baggerfahrers ersetzt bekommen und zog vor Gericht.

Das Urteil

Das Landgericht gab der Klage des Mannes zu großen Teilen Recht. Nach Auffassung des Gerichts hatte der Autofahrer nicht gemerkt, ein Privatgrundstück betreten zu haben – so habe kein Zaun dieses umgeben. Auch dass der Bagger im Betrieb war, konnte der Autofahrer nicht erkennen.

Der Baggerfahrer hätte aber ohne weiteres den Unfall vermeiden können, wenn er sich vor der Inbetriebnahme seines Arbeitsgerätes einmal zur Seite umgeblickt hätte, befand das Gericht. Da er das aber nicht tat, habe er gegen seine allgemeine Sorgfaltspflicht gemäß Paragraph 1 Absatz 2 Straßenverkehrsordnung verstoßen: Da sein Grundstück nicht als Privatgrundstück klar erkennbar gewesen sei, habe er damit rechnen müssen, dass sich andere Verkehrsteilnehmer auf sein Grundstück begeben.

Da jedoch der Alfa-Fahrer unmittelbar neben dem Bagger geparkt hatte und keinen ausreichenden Sicherheitsabstand wahrte, muss auch er teilweise haften. Das Gericht legte eine Haftungsquote von ¾ zu ¼ zu Lasten des Baggerfahrers fest.

Noch ist das Urteil allerdings nicht rechtskräftig.