Cyber-Schäden: GDV rät Transportversicherern zur Ausschlussklausel

Florian Burghardt Versicherungen

In konventionellen Sach- und Haftpflicht-Policen können sich sogenannte Silent-Cyber-Risiken verstecken, die dort niemals eingepreist wurden. Mit Blick auf die Transportversicherung fürchtet der GDV ein systemisches Risiko und rät daher zur Ausschlussklausel.

Wenn weltweite Lieferketten lahmgelegt werden, beispielsweise durch Hacker-Angriffe auf die Technik großer Container-Häfen, fürchtet der GDV ein Kumulrisiko, das die gesamte Transportversicherung in die Knie zwingen könnte. Bild: Pixabay/cegoh

Wenn weltweite Lieferketten lahmgelegt werden, beispielsweise durch Hacker-Angriffe auf die Technik großer Container-Häfen, fürchtet der GDV ein Kumulrisiko, das die gesamte Transportversicherung in die Knie zwingen könnte. Bild: Pixabay/cegoh

Cyber-Attacken stehen in Zeiten der Corona-Pandemie zwar nicht mehr ganz oben im Gefahren-Ranking für Industrie und Handel. Von einer rückläufigen Platzierung in solchen Risiko-Ranglisten darf man sich aber nicht täuschen lassen und die Gefahr von Cyber-Vorfällen fälschlicherweise als rückläufig ansehen. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall. Denn unsere immer digitalere Welt mit computergesteuerter Logistik und Industrie 4.0 öffnet zunehmend Einfallstore für Hacker und Co.

Dieser Umstand macht es nicht nur notwendig, dass sich bestehende Cyber-Versicherungen weiterentwickeln. Durch eine höhere Anzahl und vielseitigere Ausprägungen von Cyber-Schäden steigt auch das Silent-Cyber-Risiko in der klassischen Sach- und Haftpflichtversicherung. Silent-Cyber-Risks, also stille Cyber-Risiken ergeben sich aus konventionellen Gewerbepolicen, die nicht speziell für die Deckung von Cyber-Schäden konzipiert wurden. Dabei kann es sein, dass Cyber-Angriffe auch Leistungsauslöser in diesen konventionellen Policen aktivieren, obwohl diese modernen Gefahren bei der Kalkulation der Tarife überhaupt nicht eingepreist wurden.

Riesiges Kumulrisiko befürchtet

Als Worst Case skizziert man beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) solche Cyber-Angriffe, die ein ganzes System ins Wanken bringen können. Mit speziellem Blick auf die Transportversicherung beispielsweise, wenn Hacker große Lieferketten lahmlegen, wodurch Güter in Massen verderben. Dadurch könnten Milliardenschäden entstehen, die ganze Volkwirtschaften empfindlich treffen könnten. Das gleiche Szenario drohe bei einem großflächigen Ausfall der Infrastruktur, etwa bei einem überregionalen und tagelangen Stromausfall.

Dass ein solches katastrophales Ereignis die Transport- und Logistikbranche trifft, ist aus Sicht des Gesamtverbands nur eine Frage der Zeit. Und deshalb fürchten die Versicherer vor allem eines: Ein riesiges Kumulrisiko. So groß und damit so viele Versicherungsnehmer betreffend, dass es die Transportversicherer selbst in die Knie zwingen könnte.

GDV empfiehlt Ausschlussklausel für Transport-Policen

Um einen solchen Kollaps der Transportversicherungsbranche zu verhindern, empfiehlt der GDV den Produktgebern die Anwendung einer neuen Klausel in ihren Policen. Die sogenannte Cyber-/Blackout-Klausel soll zunächst einmal sämtliche Cyber-Schäden aus konventionellen Transportversicherungen ausschließen. Auch sogenannte Blackout-Schäden, etwa durch großflächige Stromausfälle, werden ausgeschlossen.

Die Klausel sieht aber auch die Möglichkeit zum Wiedereinschluss von Cyber-Schäden vor. Diese müssten dann separat vereinbart werden und könnten auch durch Sublimits unterhalt der Versicherungssumme für das Transportrisiko begrenzt werden. Somit könnten Transportversicherer ihr übernommenes Risiko klarer definieren und zudem würden Silent-Cyber-Risiken in den Fokus gerückt und sichtbar gemacht.

Weitere Informationen und eine Musterklausel im Wortlaut hat der GDV auf seiner Transport-Informations-Website zusammengestellt.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare