Wohngebäudeversicherung: So unterscheiden sich die Marktführer

Florian Burghardt Versicherungen Top News

Gewinnbringer oder Verlustsparte – in der Wohngebäudeversicherung tun sich mittelfristig große Unterschiede zwischen den Marktführern auf. Doch woran liegt das? procontra fragte nach.

Die Marktführer in der Wohngebäudeversicherung gehen unterschiedliche Wege, um ihre Combined Ratio zu verbessern. Bild: Pixabay/geralt

Die Marktführer in der Wohngebäudeversicherung gehen unterschiedliche Wege, um ihre Combined Ratio zu verbessern. Bild: Pixabay/geralt

Die Wohngebäudeversicherung gilt aus unternehmerischer Sicht als schwierige Sparte. Viele Versicherer kämpfen seit Jahrzehnten gegen Anzahl und Höhe der Schäden an. Vor allem die versicherte Gefahr Leitungswasser macht den Anbietern überwiegend bei älteren Gebäuden Probleme. Sanierungsmaßnahmen sind an der Tagesordnung. Sei es durch die Einführung von Selbstbehalten im Schadenfall, tatsächliche bauliche Sanierungsanforderungen für den Fortbestand des Vertrags oder gar die Kündigung besonders schadenträchtiger Verträge. Umstände, die für Vermittler nicht immer leicht bei den Kunden zu kommunizieren sind.

Dass es in der Sparte aber noch lange nicht rosig aussieht, belegt die aktuelle Studie „Branchenmonitor Wohngebäudeversicherung“, die die V.E.R.S. Leipzig GmbH zusammen mit dem Marktforschungsunternehmen Sirius Campus auf Basis der Unternehmensgeschäftsberichte der 50 größten Anbieter (Marktabdeckung nach Prämieneinnahmen: 95 Prozent) erstellt hat. Fast jeder Dritte von ihnen musste im Geschäftsjahr 2019 rote Zahlen schreiben. Mit Blick auf den Durchschnitt der sechs Geschäftsjahre 2014 bis 2019 machte sogar knapp die Hälfte von ihnen (23 Unternehmen) Verlust.

Marktführer verdient kein Geld

Ein großer Vertragsbestand muss aber nicht zwingend auf ein Minus in der Kasse hinweisen. Bei den Top-4-Anbietern (jeweils über fünf Prozent Marktanteil nach Prämieneinnahmen) zeigen sich jedenfalls, der Studie zufolge, große Unterschiede bei der Schadenkostenquote (Combined Ratio). So kommt Marktführer Allianz (13,8 Prozent Marktanteil) im Sechsjahresdurchschnitt auf eine Combined Ratio von 99,98 Prozent. In den vergangenen drei Jahren lagen die Münchner zudem jeweils über 100 Prozent, die Prämien konnten in diesen Jahren die Gesamtkosten der Sparte also nicht decken.

Diese Entwicklung hänge stark von den Ereignissen im Bereich Elementarschaden ab, heißt es dazu von der Allianz auf procontra-Nachfrage. Starke Unwetter, Stürme und strenge Winter seien häufig für eine höhere Combined Ratio verantwortlich. Hinzu käme auch ein zum Teil veralteter Gebäudebestand in Deutschland, der zu erhöhtem Schadenaufkommen in der Leitungswasserversicherung führe, etwa durch Korrosion, Verkalkung und Rohrbrüche.

Auf die Frage nach der Notwendigkeit von Beitragserhöhungen antwortete eine Allianz-Sprecherin: „Ein Jahr mit einer hohen Combined Ratio aufgrund eines schweren Elementarereignisses, zum Beispiel der Sturm Kyrill, ist kein Grund, die Beiträge pauschal zu erhöhen. Die Allianz passt im übrigen Beiträge in der Wohngebäudeversicherung nicht pauschal an, sondern stets auf Grundlage der Indexanpassung für Baupreise sowie im Rahmen der mit dem Kunden vereinbarten Beitragsanpassungsklauseln.“

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