Wintereinbruch lässt Versicherer weitgehend kalt

Martin Thaler Versicherungen Top News

Der Winter hat sich in den vergangenen Tagen mit einem Wumms zurückgemeldet: Auf die Schadensbilanzen der Versicherer wirken sich die Wetterereignisse jedoch nur bedingt aus. Auch der „Jahrhundertwinter“ 1978/79 verlief für die Gesellschaften glimpflich.

Winter Bild: picture alliance

Der starke Wintereinbruch der vergangenen Jahre wirkt sich in keinem großen Maße auf die Schadensbilanzen der Versicherer aus. Bild: picture alliance

Der Winter hält Deutschland weiter fest im Griff: Sturm, große Schneemengen und Glatteis führten in den vergangenen Tagen zu zahlreichen Unfällen auf den Straßen. Der hohe Schneedruck führte zudem zu einigen Dacheinstürzen.  

Die Versicherer können den derzeitigen Wetterkapriolen aber weitgehend entspannt entgegenblicken, schätzt die Beratungsgesellschaft Meyerthole Siems Kohlruss. „Vereinzelt wird es Sturmschäden geben, die in der Wohn- und Hausratversicherung nahezu flächendeckend versichert sind“, schätzt deren Geschäftsführer Onnen Siems, fügt aber an: Die erreichten Windgeschwindigkeiten sind aber bei weitem zu gering, um zu einem nennenswerten Schadenereignis zu führen.“ Hochwasser- und Schneedruckschäden seien zudem nur in der erweiterten Elementarschutzversicherung abgedeckt. „Diese Deckung haben deutschlandweit aber nur 45 Prozent der Gebäude, im Norden sogar weniger als 30 Prozent.“ Der kurzfristige Wintereinbruch sei für regionale Schneedruckschäden zudem zu kurz.  

Kfz: Zusätzlicher Schaden in Höhe von zehn Millionen Euro erwartet

Auch in der Kfz-Versicherung schätzt Meyerthole Siems Kohlruss die Auswirkungen für die Versicherer als überschaubar ein. „Das erhöhte Unfallaufkommen auf den Straßen verursacht einen zusätzlichen Schadenbeitrag von vielleicht zehn Millionen Euro“, schätzt Siems.  

Vielfach wurden in den Medien angesichts der hohen Schneemengen der vergangenen Tage Vergleiche mit dem sogenannten „Jahrhundertwinter“ der Jahre 1978/79 gezogen. Auch damals blieb der gesamtwirtschaftliche Schaden jedoch gering: Zwischen dem 28. Dezember 1978 und dem 4. Januar 1979 lag dieser für die damals betroffenen Bundesländer Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hamburg bei lediglich 150 Millionen DM.

Vergleiche mit dem „Jahrhundertwinter“ 1978/79

Eine procontra-Nachfrage beim GDV ergab, dass dem Branchenverband selbst keine Daten zum „Jahrhundertwinter“ 1978/79 vorliegen. Die Statistiken zu weiteren Naturgefahren, zu denen auch Schneedruck gezählt wird, reichen nur bis ins Jahr 2002 zurück. Anzumerken ist dabei, dass damals noch kein Versicherungsschutz für Elementargefahren angeboten wurde. Diesen gibt es von den Versicherern erst seit Beginn der 1990er Jahre.  

Auch in der DDR sorgte der strenge Winter damals für Schäden: Laut Meyerthole Siems Kohlruss lag dieser damals bei knapp acht Milliarden DDR-Mark für die Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen.  

„Die Katastrophe traf die DDR damals härter als Westdeutschland, da beispielsweise alle Braunkohlekraftwerke ausfielen und nur das Kernkraftwerk in Greifswald die Stromversorgung der DDR sicherstellen konnte“, sagt MSK-Geschäftsführer Siems. „Viele sagen daher, der Winter von 1978/79 sei der Anfang vom Ende der DDR gewesen.“

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