Wie hat sich das Corona-Jahr auf die Psyche ausgewirkt?

Martin Thaler Berater Versicherungen

Die Corona-Krise stellt für viele Menschen das Leben auf den Kopf und sorgt für psychische Belastungen. Doch bekommen das auch die Versicherer zu spüren? Die Debeka hat nun ihren Kundenbestand unter dieser Fragestellung unter die Lupe genommen.

Psychische Probleme Bild: Adobe Stock/Good Studio

Insbesondere im zweiten Halbjahr 2020 verzeichnete die Debeka einen teils deutlich erhöhten Rechnungseingang für Psycho- und Verhaltenstherapien. Bild: Adobe Stock/Good Studio

Fehlende soziale Kontakte, wachsende Unsicherheit, Kontrollverlust – die Corona-Krise wirkt sich nicht nur direkt auf die Lunge, sondern indirekt auf die Psyche vieler Menschen aus. „Die Pandemie ist auf jeden Fall eine Herausforderung für die psychische Stabilität“, erklärte unlängst Steffi Riedel-Heller, Direktorin am Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health an der Universität Leipzig gegenüber der „Frankfurter Rundschau“. Insbesondere für bestimmte Risikogruppen sei die Gefahr gegeben, Narben aus der derzeitigen Situation davonzutragen.  

Gestützt werden diese Aussagen von Zahlen, die die Debeka Krankenversicherung nun zur Verfügung gestellt hat. Gegenüber dem Vorjahr verzeichneten die Koblenzer 1,7 Prozent mehr eingegangene Rechnungen für Therapien gegen psychische Leiden als noch 2019. Das klingt auf den ersten Blick weder sonderlich besorgniserregend noch bemerkenswert, doch insbesondere im zweiten Halbjahr verzeichnete der Versicherer einen deutlichen Anstieg beim Rechnungseingang.  

Während im ersten Halbjahr ein Rückgang feststellbar war, stieg die Anzahl der Rechnungen in den Herbstmonaten, also parallel mit Inkrafttreten des zweiten Lockdowns, in den zweistelligen Prozentbereich. So waren es im Oktober fast zwölf Prozent mehr als im Vorjahresmonat, im November sogar 26,7 Prozent und im Dezember 12,4 Prozent.  

Große Herausforderungen

„Die Corona-Situation stellt die Menschen vor große Herausforderungen, denn unser Leben wird in weiten Teilen auf den Kopf gestellt“, sagt Thomas Brahm, Vorstandsvorsitzender der Debeka Versicherungen. „Viele sagen, dass es ihnen zunehmend schwerfällt, damit umzugehen. Die Auswirkungen der Pandemie zeigen sich dementsprechend auch bei den eingereichten Rechnungen für psychotherapeutische Behandlungen.“  

Die Auswirkungen der Pandemie auf die psychische Gesundheit wurden zuletzt auch durch die jüngste Krankenstands-Analyse der DAK verdeutlicht. So nahmen durch Seelenleiden verursachte Krankschreibungen im vergangenen Jahr um acht Prozent zu.  

Wie sich dieser Zuwachs an psychischen Leiden auf die Berufsunfähigkeitsversicherung auswirken wird, bleibt noch abzuwarten. Laut Zahlen des GDV war die Psyche bereits vor der derzeitigen Ausnahmesituation bereits in knapp jedem dritten Fall (29 Prozent) die Ursache für eine Berufs- bzw. Erwerbsunfähigkeit.  

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