Versicherungsschutz + Altersvorsorge: Verkuppeln erwünscht?

Stefan Terliesner Berater Versicherungen Top News

Viele Vermittler verbinden gerne Versicherungsschutz und Altersvorsorge. Daran entzündet sich immer wieder Kritik, wie aktuell bei der Basisrente plus BU-Zusatzpolice.

Ist eine Bündelung von Altersvorsorge und Versicherungsschutz sinnvoll?Bild: Pixabay/suju

Sollte die Altersvorsorge mit der Absicherung der Arbeitrkraft kombiniert werden? Darüber gehen die Meinungen auseinander. Bild: Pixabay/suju

Der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist für viele erwerbstätige Menschen sinnvoll; das ist weitgehend unbestritten. Kritik von Verbraucherschützern hagelt es aber oft, wenn der BU-Schutz mit einem Altersvorsorgeprodukt verkuppelt wird, zum Beispiel der geförderten Basisrente. Dieses für Selbstständige konzipierte Produkt, das wegen seiner steuerlichen Implikationen auch für Gutverdiener attraktiv sein kann, ist vom Markt nie so richtig angenommen worden.

Die Zahl der neu vermittelten Verträge sinkt seit Jahren; nur 2019 gab es mal einen Zuwachs. Vielleicht auch deshalb verbinden manche Vermittler die Basisrente mit dem „Zugpferd“ BU-Schutz. Aber ist die Kombination sinnvoll? Die Bürgerbewegung Finanzwende hat eigenen Angaben zufolge für eine fondsgebundene Basisrente plus BU-Zusatzschutz (BUZ), die der Finanzdienstleister MLP einem Studenten vermittelt haben soll, ausgerechnet, dass im Laufe der Jahre 22.000 Euro an Abschlusskosten anfallen.

MLP weist das zurück mit den Worten, dabei handle es sich um einen „rein theoretischen Extremwert“. Einen fachlichen Dialog zu dem Thema habe Finanzwende bisher abgelehnt. Die Zahl basiere auf der Annahme, dass ein Kunde jedes Jahr einen höheren Beitrag zahlt, womit auch höhere Leistungen einhergehen.

Tatsächlich, so MLP, kann der Kunde jedes Jahr über die Dynamisierung selbst entscheiden. Mit zunehmendem Einkommen und veränderten Lebensverhältnissen lasse sich der Schutz relativ schnell und ohne erneute Gesundheitsprüfung hochfahren – bis auf das vom Kunden gewünschte maximale Absicherungsniveau. Im Übrigen sei die Höhe der maximalen BU-Absicherung bei vielen Anbietern in den Tarifbedingungen gedeckelt. Insofern sei die „unendliche“ Annahme von Dynamiken bei diesen Tarifen nicht nur unrealistisch, sondern unmöglich. Eine Reduzierung der Beiträge und Leistungen sei jederzeit möglich.

Studie soll Diskussion versachlichen

Offenbar macht die Kritik der Organisation Finanzwende die Verantwortlichen bei MLP aber doch nervös. Jedenfalls hat der Finanzvertrieb das Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften (ifa) beauftragt, im Rahmen einer Studie einen Vergleich einer Basisrente plus BUZ mit einem Paket aus Fondssparplan und selbstständiger BU-Police (SBU) durchzuführen.

Dazu Miriam Michelsen, Leiterin Vorsorge bei MLP: „Wir haben die Studie in Auftrag gegeben, damit die oft sehr verkürzte und dadurch nicht sachgerechte Diskussion über die Kopplung von Basisrente und Berufsunfähigkeitsschutz nun auf der Basis von wissenschaftlichen Fakten geführt werden kann. Pauschale Ablehnungen gekoppelter Lösungen sind nicht haltbar – genau das zeigen die Berechnungen des ifa.“

Zunächst allerdings weist das ifa auf Nachteile des Kombiprodukts Basisrente mit BUZ gegenüber dem Fondssparplan plus SBU hin. Hier seien die vom Gesetzgeber vorgegebenen Einschränkungen in Bezug auf Flexibilität und Zugang zum angesparten Guthaben zu nennen sowie die Tatsache, dass der BU-Schutz neu organisiert werden muss, wenn der Sparprozess reduziert oder eingestellt wird. Letzteres sei bei modernen Basisrenten mit BUZ in der Regel möglich – ohne erneute Gesundheitsprüfung, schreibt das ifa.

Pauschalurteil nicht angebracht

Was die Unterschiede im Preis-Leistungs-Verhältnis betrifft, habe das ifa verschiedene Musterkunden betrachtet und unterstellt, dass sowohl beim Kombiprodukt Basisrente plus BUZ als auch beim Paket Fondssparplan plus SBU kostengünstige Indexprodukte (ETFs) als Fonds gewählt wurden. Es zeige sich, dass die Basisrente plus BUZ für Verbraucher, die von einem niedrigeren Steuersatz in der Rentenphase im Vergleich zur Ansparphase ausgehen können, „stets und teilweise deutlich günstiger ist“.

Für Verbraucher, die in der Anspar- und Rentenphase ähnlich hohe Steuersätze haben, schnitten beide Produktkombinationen ähnlich gut ab. Ein klarer Vorteil der Variante Fondsparplan plus SBU trete in keinem der betrachteten Fälle auf.Letztlich, so das Fazit der Studie, hänge die Vorteilhaftigkeit von der individuellen Situation des Verbrauchers ab. Der Vorteil beim Preis-Leistungs-Vergleich könne ein Argument sein, die geringere Flexibilität einer Basisrente in Kauf zu nehmen.

Und was folgt aus all dem für Makler? Sie sollten im Interesse ihrer Kunden zum Beispiel darauf achten, dass eine Entkopplung ohne Verlust des Versicherungsschutzes möglich ist. Generell wäre zu überlegen, ob Vermittler im Sinne von mehr Transparenz und Einfachheit die Themen Absicherung und Altersvorsorge nicht konsequent trennen sollten. Makler selbst wären hier flexibler, wenn sie auch Fonds vermitteln dürften, also auch eine Zulassung gemäß Paragraf 34f Gewerbeordnung erlangen. 

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