Pflege: „Generationenvertrag“ hat weiter Bestand

Martin Thaler Berater Versicherungen

Je mehr Kinder Menschen haben, desto höher ist ihr Vertrauen, dass im Fall der Pflegebedürftigkeit für sie gesorgt ist. Oftmals wird dabei vergessen, welche Belastungen mit der Pflege für die Angehörigen einhergehen.

Pflege; Bild: Adobe Stock/Andrey Popov

Beim Thema Pflege verlassen sich viele offenbar immer noch auf die eigenen Angehörigen. Bild: Adobe Stock/Andrey Popov

Wenn es um die eigene Pflege im Alter geht, verlassen sich viele Deutsche weiterhin auf die eigene Familie. Dabei gilt: Je mehr Kinder zu einer Familie gehören, desto höher ist die Erwartung der Eltern, im Alter gut versorgt zu sein. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „50plus“ des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA), für die insgesamt rund 2.700 Menschen befragt wurden.  

Von den Befragten mit vier oder mehr Kindern sind fast zwei Drittel überzeugt, dass eine gute Alterspflege für sie gewährleistet ist. Kinderlose Menschen sehen die zukünftige Pflegesituation weit weniger rosig: Von Ihnen glaubten nur 40 Prozent, im Fall der Pflegebedürftigkeit gut umsorgt zu werden. Genauso viele gehen hingegen davon aus, dass eine gute Pflegesituation im Alter nicht gewährleistet ist.  

Vertrauen in die eigene Familie

Diese Zahlen sind ein starkes Indiz dafür, dass das Vertrauen in den interfamiliären Generationenvertrag weiterhin hoch ist. „Kinder werden nach wie vor als eine Art Garant für den eigenen Pflegefall angesehen. Während der gesellschaftliche Generationenvertrag zur gesetzlichen Rente wegen der demografischen Entwicklung häufiger skeptisch gesehen wird, schätzt eine Mehrheit der Eltern den interfamiliären Zusammenhalt für den Pflegefall als belastbar ein“, interpretiert DIA-Sprecher Klaus Morgenstern das Studienergebnis.  

Für viele Angehörige ist die Pflege der eigenen Eltern allerdings sehr belastend: Laut neuem Pflege-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK fühlt sich etwa jeder vierte Pflegehaushalt sehr stark belastet – zeitlich, aber auch psychisch. Die hohe psychische Belastung für die Angehörigen wird dabei oft nicht wahrgenommen. Schätzungen gehen davon aus, dass circa 20 Prozent der pflegenden Angehörigen eine Depression erleiden. „Das Risiko, krank zu werden, ist bei den pflegenden Angehörigen viel höher als bei den nicht Pflegenden. Viele halten dann so lange an dieser Aufgabe fest, bis sie zusammenbrechen … bis Burn-out angesagt ist oder bis sie in die Klinik kommen mit Depressionen oder sich schwere orthopädische Probleme eingestellt haben“, erklärte vor einigen Jahren bereits die Pflegeexpertin Dr. Cornelia Heintze.  

Einkommen spielt erhebliche Rolle

Neben der familiären Situation spielt auch das Einkommen bei der Einschätzung der eigenen Pflegesituation im Alter eine erhebliche Rolle. Wenig überraschend: Je höher das Einkommen ausfällt, desto optimistischer fällt der Blick in die Zukunft aus. Von den Befragten mit einem Einkommen über 4.000 Euro im Monat glaubten 61 Prozent, dass eine gute Pflege später gewährleistet sei. In der Einkommensklasse bis 1.000 Euro glauben das nur 28 Prozent, 51 Prozent blicken hingegen negativ in die Zukunft.  

„Pflege kostet Geld. Das ist vielen Menschen inzwischen klar. Höhere Einkommen ermöglichen eine stärkere Bildung von Vermögen, das später auch zur Finanzierung der Pflege herangezogen werden kann. Daher sind Befragte mit einem höheren Einkommen zuversichtlicher bei der Beurteilung einer möglichen Pflegesituation“, fügt Morgenstern hinzu.  

Allgemein unterschätzt werde aber laut DIA, dass man die eigene Pflegesituation im Alter selbst beeinflussen kann – mit einer ergänzenden Pflegeabsicherung. In dieser Hinsicht scheint also noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten sein.

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