Neue Klassik: Negative Rendite trotz geringerer Garantien?

Detlef Pohl Berater Top News

Ein neuer Marktüberblick zur Deklaration der Verzinsung 2021 von Rentenpolicen offenbart nicht nur sinkende Zinsen bei Klassik-Policen. Auch bei der neuen Klassik führen herabgesetzte Garantien nicht unbedingt zu besserer Überschussbeteiligung.

Die neue Klassik ist auf dem Vormarsch, sagt Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will. Bild: Assekurata

Die neue Klassik ist auf dem Vormarsch, bringt aber weniger garantierte Beitragsrendite als die alte Klassik, sagt Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will. Bild: Assekurata

Die oft gepriesene Neue Klassik weist nur unwesentlich höhere Renditen als klassische Rentenversicherungen auf. Zu diesem Schluss kommt die Kölner Rating-Agentur Assekurata in ihrer jährlichen Untersuchung „Überschussbeteiligungen und Garantien deutscher Lebensversicherer“ für 2021.

„Auf dem Vormarsch ist die neue Klassik dennoch“, sagt Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will. Im Durchschnitt der Anbieter fiel aber auch hier die laufende Verzinsung im Vergleich zum Vorjahr von 2,28 Prozent auf 2,13 Prozent (alte Klassik: von 2,29 auf 2,14 Prozent).

„Die traditionelle Klassik ist ein Auslaufmodell“, kommentiert Lars Heermann, Bereichsleiter für Analysen und Bewertungen bei der Assekurata. „Stattdessen setzen weite Teile des Marktes auf neue klassische Produkte, die wie klassische Produkte auf einer konventionellen Überschuss-Systematik sowie dem Ausgleich im Kollektiv und der Zeit basieren“, erklärt der Analyst. Ein zentraler Unterschied liege jedoch in den Garantien, die herabgesetzt oder vollständig abgeschafft werden. „Dadurch soll der Kunde eine höhere Überschussbeteiligung erhalten“, so Heermann weiter.

Über die Hälfte hat Verzinsung bei neuer Klassik gesenkt

Das geht in der Praxis jedoch oftmals nicht auf, wie die Studie belegt. Von den 26 Studien-Teilnehmern haben 14 Anbieter die laufende Verzinsung abgesenkt, elf hielten sie stabil und nur einer (HDI) hob die laufende Verzinsung an. Zudem bieten von den 26 Versicherern fünf eine anteilige und neun gar keine Beitragsgarantie mehr an. Immer mehr Anbieter legten ihren Tarifen mittlerweile einen individuellen Garantiezins zugrunde, der häufig bei 0,5 Prozent oder noch darunter liegt. Erlaubter Höchstrechnungszins wären aktuell noch 0,9 Prozent.

Bei der Gesamtverzinsung von 2,83 Prozent bei der neuen Klassik gegenüber 2,73 bei der alten Klassik sowie bei der illustrierten Beitragsrendite von 2,31 Prozent gegenüber 1,88 bei der alten Klassik stellt sich dann jedoch ein Renditevorteil der neuen Klassik heraus. „Dies ist aufgrund des geringeren Garantieniveaus auch zu erwarten“, sagt Heermann.

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