Neodigital peilt 400.000 Telematik-Kunden an

Martin Thaler Versicherungen

Noch gelten Telematik-Tarife in der Kfz-Versicherung als Nischenprodukt. Das wird sich aber ändern, glaubt der Versicherer Neodigital und will zusammen mit dem Beratungsunternehmen MSK zahlreiche Versicherer mit ins Boot holen.

Stephen Voss Bild: Neodigital

Will eine Telematik-Lösung für alle Versicherer anbieten: Neodigital-Gründer und Vertriebsvorstand Stephen Voss. Bild: Neodigital

Telematikangebote gehören in der Kfz-Versicherung nach wie vor zu den Nischenprodukten: Von allen versicherten Fahrzeugen dürften Schätzungen zufolge weniger als ein Prozent über einen Telematik-Tarif abgesichert sein. 

Jedoch haben zahlreiche Versicherer zuletzt ihr Angebot ausgeweitet oder planen neue Produkte. Mit Neodigital stößt nun ein weiterer Versicherer in den Telematik-Markt vor. „Die Zukunft der Mobilität liegt in individuellen Telematiklösungen“, heißt es in der entsprechenden Pressemitteilung, in der der Saarländer Versicherer im gleichen Atemzug auf Expertenschätzungen verweist. Diesen zufolge wird die Zahl der Telematikpolicen von jetzt 750.000 auf zehn Millionen Verträge im Jahr 2025 steigen.  

Um Versicherern die entsprechende technische Infrastruktur zu liefern, hat Neodigital zusammen mit der Kölner Beratungsgesellschaft Meyerthole Siems Kohlruss (MSK) das Unternehmen „We enable“ gegründet. Dieses soll interessierten Kfz-Versicherern eine komplette Telematik-Lösung (inklusive App, Gerät zur Fahrdatenerfassung, API-Schnittstelle und Backend-Abwicklung) für einen Euro je Kunde und Monat zur Verfügung stellen. An einem entsprechenden Pilotprojekt würden bereits 11 Versicherer mitwirken, teilt Neodigital mit, weitere Unternehmen hätten zudem Interesse signalisiert.  

400.000 Neuverträge angepeilt

„Wir haben bereits im Vorfeld eine sehr hohe Nachfrage erfahren und konnten im Zuge der Produktentwicklung viele Versicherungen von unserem digitalen Konzept überzeugen“, erklärte Neodigital-Gründer und Vertriebsvorstand Stephen Voss. „Wir peilen daher innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre mindestens 400.000 Neuverträge mit Beginn der anstehenden Wechselsaison an.“  

Während die Telematik-Tarife insbesondere für Fahranfänger interessant sein sollen, profitieren die Versicherer laut Neodigital durch eine genauere Risiko-Einschätzung sowie geringere Abschluss – und Schadensregulierungskosten, da alle Prozesse digital und KI-gestützt durchgeführt werden können. Angesichts der derzeit stattfindenden Mobilitätswende sei dies ein nicht zu unterschätzender Faktor: „Versicherungen müssen in Zukunft verstärkt Konzepte für die komplette Bandbereite der Mobilität, also der Versicherung von Privatfahrzeugen, Car-Sharing oder Abo-Modellen anbieten – und das gleichzeitig und oft für ein und denselben Versicherungsnehmer. Unser digitales Telematikkonzept kann hier modellübergreifend zum Einsatz kommen und für beide Parteien Kosten sparen – und letztlich sogar zur Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer beitragen“, so Voss.

Bei Verbraucherschützern stoßen Telematik-Tarife indes auf Kritik. "Viele der angebotenen Tarife sind intransparent", monierte im vergangenen Jahr der Bund der Versicherten. Für Kritik sorgt unter anderem, dass oftmals unterschiedliche Kriterien herangezogen würden, die für den Versicherungsnehmer die Intransparenz erhöhen würden. So fließen nicht nur schnelles Beschleunigen und hartes Bremsen in die Bewertung mit ein, sondern auch vom Fahrer unabhängige Kriterien, wie die Tageszeit der Nutzung oder der befahrene Straßentyp. Diese Kritik lassen die Versicherer aber nicht gelten und verweisen – wie beispielsweise die HUK-Coburg – darauf, dass die Berechnungsgrundlagen den Kunden gegenüber klar kommuniziert würden.