Nachhaltige Policen: Was Kunden wollen und Versicherer (noch) nicht bieten

Florian Burghardt Versicherungen

Jeder zweite Verbraucher will in Zukunft beim Abschluss von Versicherungen auf deren Nachhaltigkeit achten. Die Versicherer sind hier auf einem guten Weg, würden in Sachen B2C-Kommunikation und Konsequenz aber Fehler machen, sagen zwei Studien.

Jeder zweite Verbraucher will in Zukunft beim Versicherungsabschluss auf Nachhaltigkeit achten. Jedoch vermuten 75 Prozent der Befragten einer Studie hinter dem Begriff „Nachhaltigkeit“ oft nur eine Werbefloskel. Bild: Pixabay/geralt

Jeder zweite Verbraucher will in Zukunft beim Versicherungsabschluss auf Nachhaltigkeit achten. Jedoch vermuten 75 Prozent der Befragten einer Studie hinter dem Begriff „Nachhaltigkeit“ oft nur eine Werbefloskel. Bild: Pixabay/geralt

Die Versicherungsbranche muss nachhaltiger werden – auch aufgrund neuer Transparenzvorgaben aus der EU. Deren Umsetzung mitten in der Krise sorgt bereits für Kritik. Grundsätzlich trifft diese Entwicklung, hin zu faireren und umweltfreundlicheren Produkten und deren Beratung, aber den Nerv der Kunden.

So gaben 53 Prozent an, zukünftig beim Abschluss von Versicherungen auf nachhaltige Aspekte des Produkts achten zu wollen. Das geht aus einer Studie des Marktforschungsunternehmens Rothmund Insights hervor, für die aktuell im Februar 1.044 Haushaltsentscheider*innen im Alter zwischen 18 und 70 Jahren befragt wurden. Die Teilnehmer könnten sich den Abschluss nachhaltiger Tarife zudem nicht nur in der Lebensversicherung, also mit Kapitalanlage nach ESG-Kriterien (Umweltfreundlichkeit, sozialer Charakter, Art der Unternehmensführung), vorstellen, sondern auch in der Schaden-/Unfall-Versicherung.

Allerdings müssten die Versicherer das Thema dann stärker und überzeugender in ihrer B2C-Kommunikation aufgreifen, heißt es in der Studie. Häufig sind Nachhaltigkeitsinformationen kaum auffindbar und wenig verständlich, da eher an ein Fachpublikum als an Otto Normalverbraucher adressiert, kritisieren die Studienautoren. Schließlich hätten drei von vier Befragten den Eindruck, dass „Nachhaltigkeit“ oft nur eine Werbefloskel ist.

Inkonsequenz bei ESG-Verstößen

Was bei den Versicherern in Sachen ESG-Kriterien noch nicht ganz rund läuft, hat kürzlich auch die Ratingagentur Franke und Bornberg untersucht. Dafür wurde im vergangenen Sommer 23 Versicherer mit 50 Prozent Marktanteil in der Erstversicherung befragt. Zudem wurden die Nachhaltigkeitsberichte 2019 der 20 größten Lebens-, Kranken-, Haftpflicht- und Unfallversicherer herangezogen.

Positiv ist dabei zu bewerten, dass 90 Prozent der untersuchten Versicherer bereits sogenannte Ausschlusskriterien bei ihrer Kapitalanlage anwenden. Das bedeutet zum Beispiel, dass die Unternehmen die Beiträge ihrer Versicherungsnehmer nicht in die Waffen- oder Kohleindustrie investieren. Zu den Ausschlusskriterien auf Staatenebene zählen Verstöße gegen Menschenrechtskonventionen, Korruption, Nichtratifizierung des Pariser Klimaschutzabkommens und die Verhängung der Todesstrafe.

Allerdings seien nicht alle Versicherer konsequent in ihrem Handeln, wenn ein Unternehmen oder ein Staat, in den sie investiert sind, gegen die genannten Ausschlusskriterien verstößt. Laut Franke und Bornberg würden dann nur 43,5 Prozent die betroffene Investition veräußern. Knapp neun Prozent würden zumindest über eine Veräußerung nachdenken. Jeder dritte Versicherer würde die Kommunikation mit den Verantwortlichen suchen oder den Vorfall mit offenem Ausgang individuell beurteilen. Beinahe jeder fünfte Versicherer macht zu solchen Vorfällen keine Angaben.

Mit Nachhaltigkeit Kunden erreichen

„Auch wenn es noch keine einheitlichen Standards gibt und Versicherer ihr Potenzial häufig noch nicht voll ausschöpfen, ist die Versicherungsbranche auf einem guten Weg“, lautet dennoch das Fazit von Franke und Bornberg-Geschäftsführer Michael Franke.

Wie Versicherer mit ihren Nachhaltigkeitsaktivitäten auch Verbraucher erreichen können, zeigen bereits verschiedene Beispiele. So bietet die Bayerische seit gut drei Jahren ausschließlich nachhaltige Investments über ihre Tochter Pangaea Life an und der Assekuradeur Domcura pflanzt im Rahmen seiner neuen Wohngebäudeversicherung Bäume, die den durch Brände verursachten Klimaschaden kompensieren sollen.