Kfz-Versicherung: Wann liegt grobe Fahrlässigkeit vor?

Martin Thaler Berater Recht & Haftung

Oftmals hinterlassen Kunden in Werkstätten und Autohäusern ihre Fahrzeugschlüssel in den jeweiligen Briefkästen. Werden diese dann von Dieben geplündert, kann es Ärger mit der Versicherung geben, wie ein Fall aus Oldenburg illustriert.

Dieb Bild: Adobe Stock/lbtn

Manche Diebe scheinen die Briefkästen von Autohäusern ins Visier genommen zu haben. Bild: Adobe Stock/lbtn

Wer sein Auto am Sonntag in die Werkstatt bringt, findet dort in der Regel keine Mechaniker vor. Stattdessen ist es bei vielen Werkstätten gang und gäbe, dass der Kunde seinen Fahrzeugschlüssel in einen Briefkasten wirft, damit das Fahrzeug am nächsten Werktag untersucht werden kann.  

Doch was passiert, wenn Diebe den Briefkasten aufbrechen, den Schlüssel und letztlich das Fahrzeug entwenden? In einem konkreten Fall, den nun das Landgericht Oldenburg (Az: 13 O 688/20) zu verhandeln hatte, verweigerte die Kfz-Versicherung die Begleichung des Schadens. Der Grund: Das Einwerfen des Schlüssels in den Briefkasten sei als grobe Fahrlässigkeit zu werten, wodurch die Versicherung ihre Leistungen stark reduzieren könne.  

Das Landgericht Oldenburg konnte jedoch keine grobe Fahrlässigkeit erkennen: Zwar könne das Einwerfen eines Schlüssels in den Briefkasten eines Autohauses durchaus als grobe Fahrlässigkeit gewertet werden – hier komme es aber auf den Einzelfall an. Entscheidend sei hierfür, dass der Schlüssel leicht aus dem Briefkasten wieder hinausgezogen werden könne oder andere Umstände den Verdacht aufkommen ließen, der Schlüssel sei im Briefkasten nicht sicher.  

Briefkasten macht sicheren Eindruck

Solche Umstände erkannte das Gericht im vorliegenden Fall allerdings nicht. So befand sich der Briefkasten im direkten Eingangsbereich. Dieser lag zurückgesetzt hinter den Schaufenstern der Ausstellung und war somit in das Gebäude hineingezogen. Die rings um das Haus laufende Überdachung ragte weit nach vorn hinaus und hatte über dem Eingangsbereich etwa die doppelte Tiefe. Aufgrund dieser Begebenheiten entsteht der Eindruck, der Briefkasten befindet sich in einem geschützten Bereich.  

Der Briefkasten wirkte zudem stabil und tief genug, so dass eingeworfene Schlüssel etc. nicht ohne weiteres wieder herausgefischt werden konnten.  

Das Landgericht urteilte, dass der Autobesitzer angesichts dieser Umstände nicht damit hätte rechnen müssen, dass der Schlüssel von Dritten aus dem Briefkasten entwendet werden würde. Die Versicherung muss folglich für den Schaden aufkommen, das Urteil ist mittlerweile rechtskräftig.