Kann Rendite Sünde sein?

Investmentfonds Top News von Lilian Fiala

Fonds, die auf Glücksspiel, Tabak oder Alkohol setzen, versprechen besonders hohe Renditen. „Sünden-Aktien“ sind aber auch riskant und passen eigentlich nicht zum Trend zu mehr ethisch korrekten Investments.

Sünde Bild: Adobe Stock/Howgill

Fonds, die auf Glücksspiel, Tabak oder Alkohol setzen, versprechen besonders hohe Renditen. Bild: Adobe Stock/Howgill

„Wer frei von Sünde ist, werfe den ersten Stein“ – diese Weisheit sollte die Menschen bereits zu biblischen Zeiten für ihre eigene Fehlbarkeit sensibilisieren. Völlerei, Hochmut, Neid, Trägheit, Zorn, Geiz und Wollust gelten laut der antiken Schrift als Todsünden. Außerhalb des religiösen Kontexts „sündigen“ Menschen in vielen Augen heutzutage, indem sie rauchen oder dem Glücksspiel frönen. Auch Erwachsenenunterhaltung hat ein schlechtes Image, ebenso wie die Alkoholindustrie. Und obwohl einige dieser modernen Sünden in der Tat schädlich für den Einzelnen sein können, so zeichnet sich an der Börse ein anderes Bild ab.

Aktien von Unternehmen, die ihr Geld mit Glücksspiel, Tabak oder Alkohol verdienen, versprechen besonders hohe Renditen und haben sich auch in der Covid-19-Pandemie erstaunlich gut gehalten. Besonders gelohnt haben sich in den vergangenen Jahren Investitionen in die Glücksspielbranche. Zwar blieb auch diese nicht von der Krise und ihren Folgen verschont. Allerdings handelte es sich dabei wohl eher um einen temporären Rücksetzer. Seit Auflage im April 2020 hat etwa der Roundhill Sports Betting & iGaming ETF bis Jahresende seinen Wert mehr als verdoppelt. Der US-Index S&P 500 legte im selben Zeitraum um 20 Prozent zu.

Laut dem Beratungsunternehmen Goldmedia haben Wettlokale, Spielhallen und Online-Casinos 2019 deutschlandweit knapp 16,3 Milliarden Euro umgesetzt. Das entspricht einem Plus von 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Goldmedia prognostiziert, dass der Markt bis zum Jahr 2024 auf rund 18,2 Milliarden Euro wächst. Das entspräche einem jährlichen Plus von 6,5 Prozent.

„Glücksspielunternehmen zeichnen sich durch hohe Gewinnmargen und einen relativ geringen Investitionsbedarf aus“, erklärt Russell Pointon, Analyst beim Research-Unternehmen Edison Group. Sie sind deshalb zuverlässige Dividendenzahler. Ein weiterer Pluspunkt für die Branche: Bislang bewegten sich Internet-Casinos & Co. in einer legalen Grauzone. Das wird sich aber noch in diesem Jahr ändern. Nach langen Verhandlungen haben sich die Länder im vergangenen Jahr darauf geeinigt, Angebote wie Online-Poker und Online-Casinos ab Sommer 2021 zu erlauben – wenn auch unter Auflagen.

Krieg und Frieden

Als besonders lukrativ hat sich in den letzten Jahren bei den sogenannten Sin-Investments außerdem die Waffenindustrie erwiesen. Laut Daten des Stockholmer Friedensinstituts (Sipri) wurden beispielsweise 2019 rund 1.917 Milliarden US-Dollar weltweit in die Rüstung investiert. Das ist ein neuer Höchststand seit Beginn der Sipri-Aufzeichnungen. Hersteller von Streumunition, Antipersonenminen oder Handfeuerwaffen profitierten in den letzten Jahren vor allem von der Außenpolitik der USA und deren Engagements etwa in Afghanistan oder im Irak.

Fonds, die sämtliche Sündenbranchen abbilden, haben dagegen in den vergangenen Jahren vergleichsweise schlecht abgeschnitten. So schloss etwa der bekannteste dieser Art, der Vitium Global Fund des US-amerikanischen Fondsanbieters USA Mutuals, das letzte Jahr mit einem Minus von rund 2 Prozent ab. Zum Vergleich: Der Welt-Aktienindex MSCI All Country World legte von Januar bis Dezember 2020 um rund 15 Prozent zu.

Gewissen und Gesellschaft

Das dürfte nicht zuletzt dem Trend zu ethischen Investments geschuldet sein. Geldanlage ist für immer mehr Menschen auch eine Frage des Gewissens. Und während sich bei Alkohol und Glücksspiel noch mit dem gesunden Maß argumentieren lässt, wird es spätestens mit Blick auf die Waffenindustrie schwierig, sich die Branche abseits der Rendite schönzureden. „Das Thema Nachhaltigkeit wird in den kommenden Jahren an Relevanz gewinnen“, sagt Enid Omerovic, Senior Analyst beim Analysehaus FMR Frankfurt Main Research.

Nicht weil Investoren plötzlich altruistisch im Sinne des Gemeinwohls agieren – sondern weil sie Nachhaltigkeit zunehmend bei ihren Investmententscheidungen berücksichtigen müssen. Dafür sorgen unter anderem supranationale Organisationen wie die Europäische Union. Mit ihrer Taxonomie verpflichtet die EU Berater unter anderem dazu, ihre Kunden künftig von sich aus zu fragen, ob diese ethisch investieren wollen. Außerdem tritt ab diesem Jahr ein Klassifikationssystem für grüne, ethische und soziale Geldanlagen in Kraft.

Darin definiert die EU sechs Ziele, die ein Investment erfüllen muss, um als nachhaltig zu gelten – es muss etwa das Klima schützen, die Entwicklung umweltfreundlicher Technologien fördern oder eine Kreislaufwirtschaft begünstigen. Die Taxonomie sorgt also für mehr Transparenz und Aufklärung. Sündige Unternehmen könnten es damit in Zukunft schwerer haben.