Irreführende Werbung? Verbraucherzentrale klagt gegen Deka

Martin Thaler Investmentfonds

Auf der Webseite der Deka können Fonds-Anleger sich konkret die Auswirkungen ihres Investments ausrechnen lassen. Doch wie seriös sind diese? Darüber gehen die Meinungen weit auseinander.

Bild: Adobe Stock/Tobias Arhelger

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg stößt sich an einem Impact-Rechner der Deka. Bild: Adobe Stock/Tobias Arhelger

Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Kaum ein Produkt wird noch beworben, ohne dass der Hersteller betont, wie ressourcenschonend oder umweltverträglich doch dessen Produktion verläuft. Kein Wunder: Laut Umfragen empfindet es rund die Hälfte der deutschen Verbraucher als positiv, wenn das Thema Nachhaltigkeit in der Werbung aufgegriffen wird.  

Oftmals bleibt es aber bei einem vagen Nachhaltigkeitsversprechen. Welche Auswirkungen der Konsum konkret auf die Umwelt hat, wird nur in seltenen Fällen dargestellt. Anders verläuft bei der Deka Bank. Kunden, die sich für den Investmentfonds Deka-Nachhaltigkeit Impact Aktien interessieren, bekommen auf der Webseite der Sparkassen-Tochter die Auswirkungen ihres Investments genau vorgerechnet.  

"Vollmundige Versprechungen"

Wer beispielsweise 10.000 Euro investiert, sorgt damit für die Produktion von 830 Kilowattstunden erneuerbarer Energien, die Aufbereitung von rund 43.000 Litern Wasser oder die Einsparung von 575 Kilogramm CO2.  

Diese konkreten Folgen aus dem Investment zieht allerdings die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Zweifel. So beruhten die „vollmundigen Versprechungen“ nur auf Schätzungen, monieren die Verbraucherschützer und merken an, dass dies den Kunden allerdings nicht wirklich deutlich gemacht werde.  

„Erst im Kleingedruckten steht der Hinweis, dass die versprochenen Zahlen zur positiven ökologischen Wirkung nur auf einer Schätzung beruhen, und dass dabei nicht auch alle Unternehmen des Fonds berücksichtigt wurden“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg „Für die in der Werbung versprochenen Effekte gibt es keinerlei Evidenz.“  

Aus diesem Grund hat die Verbraucherzentrale nun Klage wegen irreführender Werbung vor dem Landgericht Frankfurt gegen die Deka Bank eingereicht, nachdem diese sich zuvor geweigert hatte, eine Unterlassungserklärung abzugeben.  

Deka wehrt sich

Bei der Deka wird die Angelegenheit wenig überraschend anders bewertet. „Die Vorwürfe der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gegen den unter www.deka.de veröffentlichen Impact-Rechner sind unbegründet, daher werden wir uns gegen die Klage juristisch wehren“, erklärte ein Sprecher auf procontra-Nachfrage. Die Informationen, die der Kunde aus dem Nachhaltigkeitsrechner erlange, würden anhand belastbarer Nachhaltigkeitskriterien dargestellt. „Zudem werden Informationen zur Berechnungsmethode der Auswirkungsanalyse bereitgestellt“, teilte der Unternehmenssprecher weiter mit und verwies darauf, dass sich die Deka auf Dienstleister stütze, die über jahrzehntelange Erfahrung mit dem Reporting von ESG- und Klimadaten verfügten.  

Welcher Sichtweise das Landgericht Frankfurt letztlich folgen wird, ist auch über den konkreten Fall hinaus interessant. Auch andere Anbieter, wie das Berliner Startup „Cooler Future“, wollen ihren Anlegern die konkreten Auswirkungen ihrer Investments sichtbar machen. Zugleich kritisieren Branchenvertreter wie Ökoworld-Gründer Alfred Platow die wachsende Beliebigkeit des Nachhaltigkeits-Begriffs.

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