Garantien: Abschied vom Netz und doppeltem Boden

Berater Versicherungen Top News von Uwe Schmidt-Kasparek

Schluss mit der 100-Prozent-Beitragsgarantie: Diese Botschaft dürfte viele Vermittler in Erklärungsnot bringen. Verstanden wird sie nämlich als endgültiger Ausstieg aus der Lebensversicherung. Davon kann aber gar keine Rede sein.

Garantie Bild: Adobe Stock/Tatiana Morozova

Die 100-Prozent-Beitragsgarantie dürfte in naher Zukunft der Vergangenheit angehören, schätzen Experten. Bild: Adobe Stock/Tatiana Morozova

Mit lautem Medienknall ist Marktführer Allianz im Herbst 2020 aus der 100-Prozent-Beitragsgarantie ausgestiegen. Die Schockwelle war groß. „Zäsur bei Lebensversicherungen“, urteilte das „Handelsblatt“ noch recht zahm, während der „Focus“ zynisch mit „Hoffentlich riskant versichert?“ auf die Ankündigung des Marktführers reagierte und das „manager-magazin“ feststellte, dass nun ein „Tabu gebrochen“ sei.

Nun sind andere öffentlich oder heimlich dem Marktführer gefolgt. Auch R+V und Alte Leipziger sind aus der vollen Beitragsgarantie ausgestiegen. Ab 2021 gibt es bei der R+V nur noch 90 Prozent Nettobeitragsgarantie, wie die Assekuranz auf Anfrage bestätigte. Das ist somit weniger als 90 Prozent, da die Kos­ten davon noch runtergehen. Auch Huk-Coburg, Basler, Debeka, LVM, Stuttgarter, Swiss Life und der Volkswohl Bund bieten keine Privatpolicen mit 100-Prozent-Beitragsgarantie mehr an.

„Wenn eine 30-jährige Bundesanleihe eine Rendite nahe null aufweist, ist es schlicht unrealistisch, eine Verzinsung zu garantieren, die deutlich über null liegt“, fasst Frank Kettnaker, Vorstand Vertrieb und Marketing bei Alte Leipziger – Hallesche, zusammen. Alle Versicherer einschließlich Allianz bieten aber die 100-Prozent-Garantie bei Produkten, bei denen es erforderlich ist, wie bei Ries­ter-Verträgen oder der Beitragszusage mit Mindestleistung in der betrieblichen Altersversorgung (bAV). Bei der Swiss Life gilt die Zäsur nicht nur für neue Privatverträge, sondern auch für neue Betriebsrenten. 

Beitragsgarantie wird marktweit fallen

Andere halten einstweilen – zumindest nach außen – an der 100-Prozent-Beitragsgarantie fest. So wollen Axa, Continentale, DEVK, Ergo, Generali, Gothaer, LV 1871, Nürnberger, Signal Iduna und Württembergische 2021 für das Privatkundengeschäft Policen mit 100-Prozent-Beitragsgarantie anbieten. Teilweise wird die 100-Prozent-Garantie aber eher unter der Ladentheke gehalten. So erläutert die Signal Iduna: „Wir bieten seit Anfang des Jahres die Haupt-Produktlinie SI Global Garant Invest im Standard mit einem Garantieniveau von 80 Prozent an.“ Allein für „sehr konservative Kunden“ seien zusätzlich Garantieniveaus von bis zu 100 Prozent möglich.

Für andere Anbieter ist zweifelhaft, ob die Aussage für das ganze Jahr gilt. „Wir arbeiten an Anpassungen innerhalb unserer Produktpalette auch in Bezug auf unterschiedliche Garantiehöhen“, heißt es etwa bei der Axa. Und es wackelt bei der Ergo, denn Chef Markus Rieß hat schon öffentlich daran gezweifelt, ob die Garantie noch zeitgemäß ist. „Die 100-prozentige Beitragsgarantie dürfte früher oder später bei allen Lebensversicherern fallen“, prognostiziert Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei der Ratingagentur Assekurata. Und das hält der Experte für durchaus sinnvoll. In der Praxis ist es längst gang und gäbe.

Individuelle Garantieniveaus sinnvoll

Das zeigt die Assekurata-„Überschussstudie 2020“. Lediglich 18 der 28 untersuchten Unternehmen, die die sogenannte „Neue Klassik“ anbieten, hatten noch eine 100-prozentige Beitragsgarantie. Sie wurde bei diesen Unternehmen aber nur mit einer Mindestlaufzeit gewährt, die je nach Anbieter zwischen 5 und 35 Jahren lag. So musste beispielsweise bei der R+V die „PrivatRente Performance“ mindestens zwölf Jahre laufen. Allein „Perspektive“ von der Allianz hatte noch eine Vollgarantie der Beiträge ab einer einjährigen Vertragslaufzeit.

Damit ist nun bei Allianz und R+V für neue Verträge Schluss. Immerhin kann der Kunde bei der Allianz noch eine Bruttogarantie von 90 Prozent erhalten. Bei den meis­ten Anbietern können die Kunden künftig wählen, ob sie 90, 80 oder weniger Prozent der Beitragsgarantie zum Ende der Laufzeit abschließen wollen. Das beinhaltet zwei wichtige Botschaften: Mitnichten gibt es einen Ausstieg der Lebensversicherer aus der Altersvorsorge – aber die Beratung hinsichtlich der Garantien wird ein ganzes Stück komplexer werden.

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