Corona-Folgen: Rückenschmerzen und psychische Erkrankungen haben stark zugenommen

Wolfgang Zehrt Berater Panorama

Mit dem Corona-bedingten Homeoffice hat auch die Zahl der Beschäftigten deutlich zugenommen, die sich wegen Rückenschmerzen krankmelden mussten. Aber auch psychische Erkrankungen führten zu deutlich mehr Ausfällen, so die aktuelle Krankenstands-Analyse der DAK.

Rückenschmerzen Bild: Pixabay/Felix Hennings

Eine Folge des Corona-Homeoffice: Immer mehr Menschen leiden an Rückenschmerzen Bild: Pixabay/Felix Hennings

Im Corona-Jahr 2020 fehlten Beschäftigte wegen Rückenschmerzen so oft im Job wie seit Jahren nicht mehr: Um acht Prozent nahmen die Ausfalltage im Vergleich zum Vorjahr zu. Mehr als jeder fünfte Fehltag im Job war auf Probleme mit dem Muskel-Skelett-System zurückzuführen. Das geht aus der aktuellen Krankenstands-Analyse der DAK für das gesamte Jahr 2020 hervor, für die die Daten von 2,4 Millionen Versicherten der Krankenkasse ausgewertet wurden. „In der Corona-Pandemie sind Rückenerkrankungen bedeutsamer geworden“, sagt Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit. „Durch Lockdown und Homeoffice hat sich die Arbeitswelt drastisch gewandelt. Die Menschen verharren noch länger bewegungslos vor dem Bildschirm und in vielen Branchen steigt die Arbeitsdichte.“

Auch Belastungen haben zugenommen

Die Fehlzeiten aufgrund der von Corona ausgelösten Lebens- und Arbeitsumstellung nahmen zusammen mit anderen psychischen Erkrankungen um acht Prozent zu. Insgesamt waren Seelenleiden der zweitwichtigste Grund für eine Krankschreibung. Insbesondere bei den sogenannten Anpassungsstörungen gab es im vergangenen Jahr einen deutlichen Zuwachs – die Umstellung auf Homeoffice, oft zusätzlich mit der Belastung durch Homeschooling, machte vielen Menschen zu schaffen.

Krankschreibungen wurden länger

Auch die Schwere der Erkrankungen hat sich massiv verändert. Durchschnittlich wurden DAK-Mitglieder 14,5 Prozent länger krankgeschrieben als im Vorjahr, während die Zahl der Fälle insgesamt abnahm. Andreas Storm von der DAK: „Wir sehen mehr schwere Fälle und weniger leichte. Und für längerfristig Erkrankte scheint der Weg zurück in die Arbeitswelt unter den aktuellen Bedingungen deutlich problematischer zu sein.“?Bei kurzen Krankschreibungen von bis zu drei Tagen gab es einen deutlichen Rückgang von einem Viertel. Krankschreibungen über zwei Wochen nahmen hingegen deutlich zu.

Erkältungsbedingte Ausfälle gingen deutlich zurück

Die gemeldeten Atemwegserkrankungen gingen 2020 deutlich zurück und sind mit 3,6 Prozent nur Platz drei der wichtigsten Krankheitsarten. „Der Rückgang zeigt, wie wirkungsvoll die Hygienemaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie auch die Übertragung von Erkältungskrankheiten verhindert haben", erklärt Storm. Hände waschen, Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen hätten auch die Übertragung von Erkältungsviren eingedämmt und damit die Ausfalltage bei diesen Diagnosen verringert.

Krankenstand bei digitalisierten Branchen unterdurchschnittlich

Der gesamte Krankenstand verringerte sich im Vergleich zum Vorjahr nur geringfügig von 4,2 auf 4,1 Prozent. An jedem Tag des ersten Corona-Jahres waren durchschnittlich 41 von 1.000 Erwerbstätigen krankgeschrieben. Weit überdurchschnittlich war der Krankenstand im Gesundheitswesen (4,9 Prozent) sowie in der Branche Verkehr, Lagerei und Kurierdienste (4,7 Prozent). „Branchen, die geringere Chance haben, Prozesse ins Homeoffice zu verlagern und dem Pandemiegeschehen auszuweichen, waren beim Krankenstand benachteiligt“, so DAK-Experte Storm. Die meisten Fehltage hatten Beschäftigte in Gesundheitsberufen mit durchschnittlich 17 Tagen pro Jahr.?  

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