BVK gibt sich „verwundert“ über ESG-Transparenzpflicht und veröffentlicht Checkliste

Anne Hünninghaus Berater

Dass die EU-Transparenzverordnung am 10. März in Kraft tritt und Vermittler dann umfangreicher über Nachhaltigkeitsthemen informieren müssen, ist schwerlich eine Überraschung. Dennoch echauffiert sich der BVK über die Mehrbelastung während der Krise. Statt nur zu meckern, gibt er aber auch praktische Hilfestellung.

BVK-Präsident Michael H. Heinz; Bild: BVK

BVK-Präsident Michael H. Heinz: „Wir sind verwundert über diese neuen und umfangreichen Informationspflichten, die nun auf die Vermittler zukommen.“ Bild: BVK

In gut einem Monat ist es soweit: Ab dem 10. März müssen Vermittler, die drei und mehr Mitarbeiter beschäftigen, ihre Kunden bei der Beratung zu Anlageprodukten über deren jeweilige Erfüllung von Nachhaltigkeitszielen informieren. So sieht es die EU-Verordnung „über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten im Finanzdienstleistungssektor“ (Nr.2019/2088) vor. Nachhaltigkeit definiert sich als Dreiklang aus Environment (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung) – kurz: ESG. Künftig müssen u.a. Fondspolicen-Vermittler demnach hinsichtlich der Geeignetheitsprüfung neben Anlagezielen und der Risikobereitschaft beim Kunden auch die Nachhaltigkeitspräferenzen abfragen.

Um die Grundlage dafür zu schaffen, müssen Vermittler wie Produktanbieter also vorvertraglich bei allen Versicherungsanlageprodukten souverän ausweisen, ob und wie die Investitionen Nachhaltigkeitskriterien und Umweltschutzaspekte berücksichtigen und welche Risiken und Renditeeffekte diese mit sich bringen. Die Informationen sind auf den Internetseiten der Vermittlerbetriebe zu veröffentlichen, so dass sie Kunden bereits bei der Geschäftsanbahnung oder vor Geschäftsabschluss zur Verfügung stehen. Die Maßnahme gilt als wichtiger Schritt, um EU-Nachhaltigkeits- und Umweltziele im Finanz- und Versicherungssektor umzusetzen.

Werden zu viele Details verlangt?

Angesichts der Tatsache, dass die Verordnung schon im vergangenen Frühjahr beschlossen war, scheint die Kritik von BVK-Präsident Michael H. Heinz irritierend: „Wir sind verwundert über diese neuen und umfangreichen Informationspflichten, die nun auf die Vermittler zukommen.“ Die EU-Bürokratie verkenne die derzeitigen Corona-bedingten Einbußen und Beschränkungen der Branche, so der Vorwurf.  Den Kunden zu erklären, ob die vermittelten Produkte den EU-Nachhaltigkeitszielen entsprechen, sieht man offenbar als Überforderung.

Eher nachvollziehbar scheint die Kritik, dass weder die Produktanbieter noch die EU selbst genug Klarheit schaffen, auf der die Vermittler aufbauen können: „Obwohl eine Taxonomie, also eine Klassifikation der EU was konkret unter Nachhaltigkeit zu verstehen ist, noch aussteht, müssen wir Vermittler schon damit arbeiten“, moniert Heinz. Auch vonseiten der Versicherer wird die Transparenzverordnung immer wieder kritisiert. Aktuar und Stuttgarter-Vorstand Dr. Guido Bader warnte im procontra-Interview kürzlich davor, dass Formalismus und Aufwand auszuufern drohten. Sein größter Kritikpunkt: „Was wir laut EU-Transparenzverordnung zu eigenen Kapitalanlagen und vorvertraglichen Informationen berichten sollen, wird die Verbraucher schlichtweg überfordern. Der EIOPA-Entwurf sieht vor, zu jeder Kapitalanlage über 40 Datenpunkte zu sammeln. Die Details hierfür zu beschaffen, kostet eine Menge Geld – und das für eine Scheingenauigkeit, die am Ende von niemandem gewürdigt wird.“

BVK stellt Leitfaden zur Verfügung

Wie viele Details die Verbraucher aufzunehmen bereit sind, ist in der Tat fraglich. Dass aber ein grundsätzlich wachsendes Interesse an ESG-Produkten auch im Finanz- und Versicherungssektor besteht, belegen zahlreiche Studien. Nachhaltigkeit ist mehr als ein flüchtiger Trend – doch die Menschen sind auf fachkundige Beratung dazu dringend angewiesen.

Damit diese, trotz des Unmuts der Branche, gelingt, stellt der BVK eine Checkliste für die Beratung zur Verfügung, die er in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Matthias Beenken von der Fachhochschule Dortmund erarbeitet hat. Anhand des hier abrufbaren Leitfadens können sich Vermittler auf die Transparenzverordnung vorbereiten und ablesen, wozu genau sie künftig verpflichtet sind.