Anlegerschutz bei Direktinvestments: „Gewisse Blindpool-Lösungen sind notwendig“

Florian Burghardt Sachwerte

Per Gesetzentwurf sollen Verbraucher bei Vermögensanlagen auf dem Grauen Kapitalmarkt besser geschützt werden. Aus der Sachwerte-Lobby heißt es hingegen, dass diese Art Verbraucherschutz auch Nachteile für die Wirtschaft und die Anlageberatung mit sich bringt.

Bei Direktinvestments, etwa in Schiffscontainer, wird durch den Gesetzentwurf für mehr Anlegerschutz das Beratungsangebot leiden, glaubt man beim Deutschen Sachwert- & Finanzverband. Bild: Pixabay/Pexels

Bei Direktinvestments, etwa in Schiffscontainer, wird durch den Gesetzentwurf für mehr Anlegerschutz das Beratungsangebot leiden, glaubt man beim Deutschen Sachwert- & Finanzverband. Bild: Pixabay/Pexels

Die Bundesregierung will Verbraucher bei Vermögensanlagen auf dem Grauen Kapitalmarkt besser vor Risiken schützen. Dafür hat sie vor kurzem einen gemeinsamen Gesetzentwurf von Bundesfinanzministerium und Bundesjustizministerium beschlossen.

Dieser enthält unter anderem ein Verbot für sogenannte Blindpool-Vermögensanlagen. Dabei handelt es sich um Direktinvestments einzelner Personen (zum Beispiel in Frachtcontainer), bei denen die konkreten Anlageobjekte zum Zeitpunkt der Erstellung des Verkaufsprospekts, also zu Beginn der Zeichnungsmöglichkeit, noch nicht feststehen. Mit dem Verbot wolle die Bundesregierung sicherstellen, dass für die Menschen eine hinreichende Bewertungsmöglichkeit zum Zeitpunkt ihrer Geldanlage besteht.

Hohe Kosten erwartet

Daran gibt es aus Sicht des Deutschen Sachwert- & Finanzverbands (DSF) aber auch eine nachteilige Seite. Zwar sei der Verbraucherschutzgedanke wichtig. „Unsere Wirtschaft und viele Branchen benötigen aber direkte und indirekte Mittelstandsfinanzierungen, daher sind gewisse Blindpool-Lösungen auch notwendig. Durch die stetigen Reglementierungen, Regulierungen und Gesetze werden diese Anlageformen nahezu vom Markt verschwinden“, meint Thomas Hennings, zweiter Vorstand des DSF, auf procontra-Nachfrage.

Für den Grauen Kapitalmarkt bedeutet der Gesetzentwurf – sofern er auch von Bundestag und Bundesrat abgesegnet wird – weitere Einschränkungen. „Ein Emittent muss sich unter solchen Grundlagen nun noch genauer überlegen, neue AIF-Produkte überhaupt noch an den Markt zu bringen“, glaubt Hennings. Für neue Emissionen dürften höhere Kosten zu erwarten sein. Ob dadurch wirklich mehr Sicherheit und mehr Verbraucherfreundlichkeit entstehen, müsse kritisch hinterfragt werden. Außerdem rechnet man beim DSF durch die schwindende Attraktivität und Auswahl der Lösungen mit einer Reduzierung der zugelassenen Vermittler von Vermögensanlagen.

„Wenig praktische Relevanz“

Weniger problematisch beurteilt man die Gesamtsituation beim Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA), der unter anderem den Emittenten eine Stimme gibt. So sei es unter anderem vor dem Hintergrund der P&R-Insolvenz gut und richtig, dass bei den Vermögensanlagen das regulatorische Niveau nachgezogen wird, heißt es auf procontra-Nachfrage.

„Allerdings werden Publikums-AIFs ohnehin durchweg von zugelassenen Kapitalverwaltungsgesellschaften aufgelegt. Somit haben die neuen Regelungen beziehungsweise das Verbot der Fondsauflage über registrierte Kapitalverwaltungsgesellschaften wenig praktische Relevanz“, so ein ZIA-Sprecher.

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