Altersvorsorge: CDU-Minister teilt gegen Versicherer aus

Martin Thaler Versicherungen Top News

Auf wenig Gegenliebe stößt der Vorschlag auch in Teilen der CDU. Das gilt als besonders interessant, da diese aus Sicht der Liberalen sicherlich der präferierte Koalitionspartner für eine neue Bundesregierung sein dürfte. Umso aufmerksamer dürfte die FDP die Aussagen von Karl-Josef Laumann, Vorsitzender des Arbeitnehmerflügels der CDU, „soziales Gewissen“ seiner Partei, Gesundheitsminister in Nordrhein-Westfalen und Vertrauter vom neuen Parteivorsitzenden Armin Laschet, zur Kenntnis genommen haben.  

In der „Süddeutschen Zeitung“ sprach sich Laumann entschieden dagegen aus, die gesetzliche Rente zu schwächen. „Sie ist und bleibt die wichtigste Säule der Altersvorsorge“, so Laumann. Das Umlagesystem habe sich in den letzten Jahren als überlegen und hoch rentabel erwiesen. Dies zweifelt die FDP an und hatte sich in diesem Zusammenhang auch wissenschaftliche Unterstützung in Person von Dr. Martin Werding, Professor an der Bochumer Ruhr-Universität, geholt: „Auskömmliche Renten können wir nicht mehr über das Umlageverfahren finanzieren“, erklärte dieser anlässlich der Vorstellung des Aktienrenten-Vorschlags.  

Das sieht Laumann offenbar anders, kann sich in anderen Punkten aber durchaus mit den Vorschlägen der FDP anfreunden, beispielsweise der Reform der privaten Altersvorsorge. In diesem Zusammenhang kritisierte Laumann die Versicherungswirtschaft deutlich: „Derzeit haben wir einen regelrechten Dschungel an Produkten. Da ist eine Menge Mist dabei.“ Viele Produkte böten nur immense Abschlusskosten, hohe Verwaltungskosten, keine Renditen und nahezu wertlose Garantien. Lediglich die staatliche Zulage bei Riester-Verträgen mache diese für Anleger noch attraktiv.  

Deutliche Kritik an Versicherungsbranche

„So stelle ich mir die private Altersvorsorge nicht vor. Sie muss effizienter und transparenter werden“, kritisierte Laumann und wurde noch deutlicher: „Das Geld, das wir heute für Zulagen ausgeben, wäre an vielen anderen Stellen besser aufgehoben – der Versicherungsbranche will ich es nicht mehr geben.“  

In anderen Teilen der CDU ist man noch konzilianter gegenüber den Versicherern aufgestellt. Bei der Reform der privaten Altersvorsorge teilt man viele Forderungen der Versicherungswirtschaft. Diese Geduld hat allerdings ihre Grenzen: Sollte ein neues, kostengünstiges Standardprodukt nicht zu einer deutlichen Erhöhung der Altersvorsorgeverträge führen, hat sich nicht nur der Arbeitnehmerflügel, sondern auch die Mittelstands- und Wirtschaftsunion für die Einführung eines staatlichen Standardprodukts ausgesprochen.

Ob Standardprodukt oder Aktienrente – das Thema Altersvorsorge dürfte in diesem Jahr deutlich an Gewicht gewinnen.

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