Vertragsschwund: Riester verliert weiter an Boden

Anne Hünninghaus Berater Versicherungen

Die Zahl der Riester-Verträge entwickelt sich weiter rückläufig, wie neue Zahlen des Bundesarbeitsministeriums zeigen. In einer Sparte wurde 2020 ein neuer Negativrekord geknackt.

Riester-Bestand; Bild: Adobe Stock/picsfive

Der Bestand der Riester-Verträge schmilzt weiter ab. Bild: Adobe Stock/picsfive

Und wieder wurde eine Chance verpasst: Das Jahr der Riester-Rentenreform ist 2020 nicht geworden. Vor Ausbruch der Corona-Krise hatten alle Hoffnungen darauf geruht, Politik und Verbände würden dringend notwendige Neuerungen anstoßen, doch dann kam die Pandemie und machte den Zeitplan zunichte. Das stetig absinkende Interesse an dem von Kritikern bereits als "rentenpolitischer Zombie" verunglimpften Vorsorgemodells lässt sich an Statistiken bemessen.

So geht die Zahl der Riester-Verträge weiter zurück. Laut aktueller Auswertung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales sank die Zahl der staatlich geförderten Altersvorsorge-Verträge im dritten Quartal 2020 um insgesamt 37.000 auf nunmehr 16,388 Millionen. Damit hat sich der Abrieb zumindest ein wenig verlangsamt, in den beiden vorherigen Quartalen sank die Zahl der Riester-Verträge jeweils um mehr als 50.000.

Bei den Versicherungsverträgen betrug das Minus 17.000 (im Quartal davor: minus 29.000), Stand Ende des dritten Quartals sind es hier nun 10,698 Millionen Verträge. Die Zahl der Banksparverträge sank um 8.000 auf 591 Millionen, die der Fondssparpläne – bis vor einem Jahr noch regelmäßig wachsend – sank um 3.000 Verträge auf 3,294 Millionen.  Erstmals ging die Zahl der Wohn-Riester-Verträge fünfstellig, nämlich um 10.000, auf 1,805 Millionen zurück – hier hatte es nach Jahren des stetigen Zuwachses im ersten Quartal des vergangenen Jahres zum ersten Mal einen Einbruch gegeben.

Das Neugeschäft geht seit inzwischen zwölf Jahren immer weiter zurück, seit 2018 entwickelt sich der Gesamtbestand rückläufig. Erste Lebensversicherer, wie zuletzt die Debeka, haben sich bereits aus dem Riester-Geschäft zurückgezogen. Um die staatlich geförderte Altersvorsorge attraktiver zu machen, wird schon seit langem über die Zukunft der Riester-Rente diskutiert. Im Gespräch sind unter anderem Maßnahmen wie eine Abkehr von der Beitragsgarantie, eine Erhöhung der Förderbeiträge, eine Öffnung für Selbstständige eine Umbenennung der Riester-Rente oder gar der Wechsel auf ein staatliches Standardprodukt im Gespräch.

Zwar lässt sich am Grundproblem der Niedrigzinsphase wenig ändern, laut Experten gilt es aber dennoch, das bislang komplizierte Vorsorgesystems zu vereinfachen. „Die meisten Menschen können Details zur Riesterrente nicht erklären – das führt zu Frustration und Nachfrageschwund“, sagte Frank Breiting, Leiter Vertrieb IFA, Versicherung & Altersvorsorge Deutschland der DWS Group, im Herbst in einer Diskussion zum Thema. Auch für Makler sei der laufende Betreuungsdruck immens. Ein Wachstumsmarkt kann unter den derzeitigen Bedingungen kaum entstehen.