Digitaler Fortschritt: Pools lassen Möglichkeiten ungenutzt

Florian Burghardt Berater Digital

Viele Maklerpools würden BiPRO-normgerechte Daten von Versicherern verlangen, diese dann aber nicht an die Vermittler weitergeben, kritisiert eine neue Studie. Das verursache zusätzlichen Aufwand bei den Maklerbüros und bremse deren Digitalisierung.

Wenn Makler bei der Digitalisierung ihrer Arbeit nicht so recht vorankommen, dann liegt das laut einer Studie auch an den Maklerpools. Bild: Pixabay/Antranias

Wenn Makler bei der Digitalisierung ihrer Arbeit nicht so recht vorankommen, dann liegt das laut einer Studie auch an den Maklerpools. Bild: Pixabay/Antranias

Beim Thema Maklerpools wird immer wieder darüber diskutiert, ob die freien Vermittler durch eine Anbündelung wirklich unabhängig bleiben. Auf der anderen Seite liefern die Pools und Verbünde ihren Partnern Services und Vorteile, die allesamt zu mehr Umsatz führen sollen.

Doch was, wenn die technischen Fortschritte – speziell aus den Bereichen Software und Datenaufbereitung – gar nicht als Erleichterungen bei den Vermittlern ankommen? Dies sei bei vielen Maklerpools der Fall, kritisiert Michael Franke, Co-Autor der aktuellen Maklerpoolstudie von Brunottekonzept, für die 29 Unternehmen aus diesem Segment befragt und untersucht wurden.

Bei vielen Maklerpools versickert der Fortschritt

Beispielsweise würden 20 Pools von den Versicherern Daten und Dokumente nach BiPRO-Norm 430.4 (vertragsbezogene Geschäftsvorfälle) verlangen. Letztendlich würden aber nur 10 Pools ebenfalls BiPRO-genormte Daten an ihre Vermittler weitergeben. Bei zwei Dritteln versickert diese Prozesskette also beim Maklerpool oder sie hat noch nicht einmal angefangen.

Bei vielen anderen BiPRO-Normen sieht es ähnlich aus: Normgerechte Daten der Versicherer zu Schaden-/Leistungsfällen werden von 17 Pools verlangt, aber nur von 6 Pools in dieser Form den Vermittlern zur Verfügung gestellt. Bei den Vermittlerabrechnungen ist das Verhältnis 16 zu 5.

Erhöhter Aufwand durch alte Strukturen

Gerade bei den Abrechnungen zu geflossenen Beiträgen und Courtagen setzen 23 Studienteilnehmer auf Tabellen im Excel- oder CSV-Format, 22 auf PDF (Mehrfachnennungen möglich). Diese, von den Pools individuell aufbereiteten Ansichten würden den Vermittlern zwar inhaltlich und technisch oft kompatible Informationen liefern, heißt es von Seiten der Studienautoren. Da sie sich im Aufbau unterscheiden, würden sie letztendlich im Maklerbüro aber für manuellen Anpassungsaufwand sorgen.

Das wiederspricht aber den Vorstellungen, die Vermittler an die Zusammenarbeit mit Maklerpools knüpfen. Denn etwa jeder zweite Makler erwartet von der Anbündelung eine Reduzierung seines administrativen Aufwands. „Die Prozessqualität von Pools ist weiterhin ausbaufähig. Trotz zunehmender Digitalisierung kommen viele Fortschritte beim Makler nicht an“, meint Franke.

Zu viele MVP?

Ein weiteres Manko sieht er im Bereich der Pool-eigenen Maklerverwaltungsprogramme (MVP). Diese würden den Unternehmen den Aufwand für eine BiPRO-normgerechte Datenaufbereitung ersparen. Außerdem würde ein eigenes MVP die Partner stärker an den Pool binden. Wenn die Vermittler automatisiert aktuelle Daten verlangen, könnten die Dienstleister auf ihre hauseigenen Systeme verweisen, so Franke. Die Makler wiederum hätten den Aufwand. Denn sie müssten, bei mehreren Pool-Anbindungen, mehrere MVP gleichzeitig bedienen.

Umfangreiche Informationen zu den BiPRO-Normen und deren Anwendung hat procontra auf einer eigenen BiPRO-Themenseite zusammengestellt.

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