Studie: Versicherungsbranche ist innovationsträge

Wolfgang Zehrt Versicherungen

Versicherungen könnten Innovationen entschlossener vorantreiben, so eine Studie von EY Innovalue. Als einen der erfolgreichen Innovationsführer sehen die befragten Versicherungs-Manager die Allianz, aber auch Weltmarktführer Ping An und Lemonade gelten als Vorbild. Radikale Veränderungen sind aber nicht Sache der Versicherungen.

Innovation Bild: Pixabay/Gerd Altmann

Innovation gehört nicht zur "DNA" der Versicherungsbranche Bild: Pixabay/Gerd Altmann

„Innovation ist nicht die DNA der Branche“ attestiert eine Studie von EY Innovalue aus dem Dezember 2020 den Versicherungsanbietern. Für diese hat die Unternehmensberatung 50 Vorstände und Geschäftsführer von deutschen Versicherungen und Maklern befragt. Veränderungen würden vor allem von außen angestoßen und meist vorsichtig statt radikal umgesetzt. Für die Forschung und Entwicklung stellten fast drei Viertel der Unternehmen (72 Prozent) kein spezielles Budget bereit. Das ist einer der entscheidenden Punkte aus der Studie: „Systematische Investitionen in Innovation im Sinne eines Forschungs- und Entwicklungsbudgets sind noch nicht selbstverständlich“.

Innovations-Welt-Liga: Zwei Versicherer werden häufig genannt

Den einen Innovationsführer gibt es aus Branchensicht nicht: Bei den weltweit aktiven Unternehmen sind es der Allianz-Konzern und die Ping An Insurance aus China, denen von deutschen Versicherungs-Managern die höchste Innovationskompetenz zugesprochen wird. Der Multimilliarden-Konzern aus China besetzt zum Beispiel mit seiner Plattform „Good Doctors“ Gesundheitsthemen so, dass die Versicherungsprodukte zunächst hinter medizinischen Ratschlägen im Hintergrund blieben. Diese Plattform-Lösung gilt weltweit in der Branche als sehr gelungene Innovation, zudem auch die Zielgruppe der so genannten Millennials darüber erreicht wird.

Kundenorientierung plus Innovation in den Nischen

In den Nischen gelten Lemonade und Blau direkt aus dem beschaulichen Lübeck als besonders innovativ. „Dabei punkten sie mit Aspekten wie einer diversifizierten Aufstellung und Investitionsstrategie, einfachen Produkten, schnellen Prozessen sowie einer konsequent umgesetzten Kundenorientierung“, sagt Christian Mylius von EY Innovalue. Genauso wenig wie es nur ein Beispiel für hervorragende Innovation gibt ist auch die Richtung für Innovationen der Branche nicht eindeutig. So zitiert die Handelszeitung.ch Florian Schreiber vom Institut für Finanzdienstleistungen im schweizerischen Zug: „Während einzelne das eigene Unternehmen oder Versicherer im Allgemeinen in der Rolle des Orchestrators sehen, gehen andere wiederum davon aus, dass Versicherer sich in solchen neuen Strukturen rein auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren sollten“.

„Innovationsträgheit“ ist Branchenbestandteil

Wichtigste Auslöser von Innovation sind laut der Befragten externe Faktoren wie Kunde, Markt und Wettbewerb. Innovation sei in der Versicherungsbranche nicht per se in der Genetik verankert, wie das bei Geschäftsmodellen wie bei Amazon oder Google der Fall wäre. Nur neun Prozent der Befragten verstehen unter Innovation größere Veränderungen mit eher radikalem Charakter. „Von der häufig angesprochenen Disruption ist somit nicht viel zu sehen“, sagte Julia Palte von EY Innovalue. Die Innovationsträgheit sei unter anderem damit zu erklären, dass das Produkt Versicherung einen „Low Interest-Charakter“ und eine spartenabhängige Langfristigkeit habe.

Das Fazit der Studie ist in einer Frage formuliert: Würde ein „systematischerer und damit auch tendenziell messbarerer Ansatz von Forschung und Entwicklung zu einer höheren Innovationskraft der Branche führen?“ Immerhin 28 Prozent der befragten Unternehmen haben diese Frage für sich bereits mit „Ja“ beantwortet, denn sie haben nicht nur ein eigenes Innovations-Budget, sondern in den meisten Fällen auch F&E-Teams installiert. 

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