Sozialanleihen: Der neue Hype um Social Bonds

Stefan Terliesner Investmentfonds Top News

Windparks zu finanzieren ist mega-angesagt. Noch beliebter ist aktuell nur noch, Anlagekapital zur Förderung von Wohnraum, Bildung und Gesundheit zu verwenden. Wo wirken die Emissionserlöse und lohnen sich Investments für Privatanleger?

Social Bonds; Bild: Adobe Stock/peterschreiber.media

Gutes Gewissen statt hoher Zinsen? Immer mehr Anleger interessieren sich für Social Bonds. Bild: Adobe Stock/peterschreiber.media

Die Corona-Pandemie wirbelt auch den Markt für nachhaltige Anleihen durcheinander. Bislang dominierten grüne Anleihen das Geschehen. Doch auf der Überholspur befinden sich sogenannte Social Bonds. Deren Emissionsvolumen betrug in der ersten Jahreshälfte 2020 rund 44 Milliarden Euro. „Das ist ein Zuwachs von 450 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019“, erläutert Simon Bond, Portfoliomanager des Investmentfonds Threadneedle (Lux) European Social Bond. Grüne Anleihen seien von Januar bis Juni im Umfang von 88 Milliarden Euro an den Markt gekommen; 14 Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Dynamischer Markt

Dass es Nachhaltigkeitsanleihen in mehreren Ausprägungen gibt, ist vielen Menschen nicht bekannt. Aber die International Capital Market Association (ICMA) unterscheidet in dem sich dynamisch entwickelnden Markt mittlerweile zwischen Green Bonds, Social Bonds und Mischformen dieser beiden Arten, wie beispielsweise Sustainability-linked-Bonds. Bei den grünen Schuldtiteln finanziert das Geld der Anleger ausschließlich Umweltprojekte wie etwa den Bau eines Windparks. Mit den Sozialanleihen wiederum unterstützen Investoren Projekte, die sich mit sozialen Herausforderungen auseinandersetzen und einen entsprechenden Mehrwert liefern. Die Mischformen fokussieren sich sowohl auf Umwelt- als auch auf Sozialaspekte.

Die Sozialprojekte, in die der Emissionserlös der Social Bonds fließt, sind natürlich kein Selbstzweck, sondern sollen gezielt zum Beispiel Menschen mit Behinderungen, finanziell Bedürftigen, Flüchtlingen oder Personen mit begrenztem Bildungszugang zugutekommen. Damit bieten die Papiere Investoren eine Möglichkeit, finanzielle Renditen und Wertvorstellungen miteinander in Einklang zu bringen. In der Corona-Pandemie emittieren supranationale Organisationen wie Weltbank oder Europäische Investitionsbank zahlreiche Social Bonds mit Covid-19-Bezug. Die Geldmittel müssen dann zum Beispiel für den Ausbau von Krankenhäusern verwendet werden.

Günstige Refinanzierungsquelle

Auch immer mehr nationale Förderbanken, Unternehmen und Stiftungen platzieren Social Bonds. So hat die ­NRW.Bank­, die Förderbank des Landes Nordrhein-Westfalen, Ende Juni 2020 einen Social Bond im Volumen von einer Milliarde Euro begeben. Eigenen Angaben zufolge refinanziert das Land damit Projekte zur Förderung privaten Wohnraums für Familien, zur Schaffung von Arbeitsplätzen sowie zur Verbesserung der schulischen Bildung. Die Anleihe entspreche den ICMA-Prinzipien. Das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie kontrolliere die Wirksamkeit der Investments. Mit einer Mindeststückelung von 1.000 Euro richte sich die Emission insbesondere an Privatanleger. Bei einer Laufzeit von 15 Jahren betrage der Zinskupon 0,1 Prozent. Das Papier mit der Nummer DE000NWB0AK3 ist an der Börse Düsseldorf handelbar. Im Frühjahr 2020 hatte bereits die Stadt München eine „Stadtanleihe“ zur Finanzierung günstigen Wohnraums begeben.

Ein weiteres Beispiel ist die Emission eines „sozialen“ Pfandbriefs im Mai 2019 durch die Deutsche Kreditbank (DKB), eine Tochtergesellschaft der BayernLB. Auch dieses Papier (ISIN: DE000SCB0013) richtet sich an Privatanleger. Weil die Konditionen für Pfandbriefe aufgrund der allgemeinen Zinssituation „eher unattraktiv sind“, so eine Sprecherin der DKB auf Anfrage, plant die Bank derzeit keine weitere besicherte Anleihe für Privatanleger. Hintergrund: Pfandbriefe mit ihrem doppelten Ausfallschutz gelten als so sicher, dass ihr Zinskupon bei null oder sogar darunter liegt.

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