Reiserücktritt: Gelten die Folgen einer Ehescheidung als Krankheit?

Anne Hünninghaus Berater Recht & Haftung

Kurz vor seinem Urlaubsantritt stornierte ein Mann eine Reise und verwies dabei auf die psychischen Folgen der Trennung von seiner Frau und Reisepartnerin. Das Amtsgericht Hamburg hatte nun zu entscheiden, welche Details zu den Symptomen die Reiserücktrittsversicherung dafür einfordern darf.

Reiserücktrittsversicherung; Bild: Adobe Stock/glazunoff

Ist psychische Labilität nach einer Scheidung eine schwere Erkrankung, die Forderungen aus der Reiserücktrittsversicherung legitimiert? Bild: Adobe Stock/glazunoff

Das abrupte Ende einer Beziehung kann bei Betroffenen mitunter schwere psychische Krisen auslösen, bis hin zur posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Deren Symptome wiederum reichen von Teilnahmslosigkeit und Depression bis hin zur erhöhten Reizbarkeit – ein breites Spektrum also. Das Deutsche Ärzteblatt kritisiert gar, die Diagnose PTBS werde „zuweilen unkritisch und zu häufig“ verwendet. Inwiefern sie eine „schwere Erkrankung“ darstellt, ist also ohnehin nicht ganz einfach zu beantworten.

Auch in einem Fall vor dem Amtsgericht Hamburg berief sich der Kläger auf diese – allerdings eher vage – Diagnose (Az: 923 C 134/19). Sein Ziel: Er wollte die Stornokosten nach Absage einer Reise von seinem Reiserücktrittversicherer erstattet bekommen.

Was war geschehen?

Im November 2017 hatte der Mann für sich und seine Ehefrau eine Mallorca-Reise gebucht, die im August 2018 stattfinden sollte. Drei Tage vor Reisebeginn stornierte er jedoch. Der Grund: Nachdem seine Ehe geschieden worden und er von der Polizei der gemeinsamen Wohnung verwiesen worden war, habe er eine psychische Erkrankung durchlitten.

Der Reiseveranstalter akzeptierte die Stornierung, stellte aber ihm allerdings Stornokosten in Höhe von 75 Prozent des Reisepreises in Rechnung. Die daraufhin von ihm kontaktierte Reiserücktrittsversicherung verweigerte die Erstattung dieser Kosten, woraufhin der Mann gegen sie klagte. Er führte an, er sei aufgrund einer posttraumatischen Belastungsstörung „völlig fertig“ gewesen und habe wegen seines labilen psychischen Zustands die Reise nicht antreten können. Somit habe es sich um eine „unerwartet schwere Erkrankung“ gehandelt, in deren Falle der Versicherer laut AVB leisten müsse.

So urteilte das Amtsgericht Hamburg

Das Gericht entschied gegen den Kläger, er habe keinen Anspruch auf Erstattung der Stornokosten aus der Reiserücktrittsversicherung. Die Begründung: Der Kläger hatte keine ausreichenden Informationen geliefert, um beurteilen zu können, ob der Reiseantritt für ihn objektiv unzumutbar war. Dafür gefehlt hätte eine Schilderung der Dauer und Intensität der konkreten Symptome. Eine Chance auf Erstattung hätte es somit nur bei „vollständigem Vortrag zum Krankheitsverlauf“ gegeben.

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